B: Die stillen Worte I

Als die letzte Schulstunde endlich endete, hätte Lilith am liebsten aufgeseufzt. Zügig packte sie ihre Sachen ein und blickte in derselben Bewegung erneut zu Tina.

Das andere Mädchen schaute nur schwerfällig auf. Sie wirkte blass. Und angespannt. Als hätte die Glocke eher Pein als Erlösung gebracht.

„Ach ja. Wollte ich dir schon gestern sagen: Ich muss gleich noch meiner Mom mit ihrem Hochzeittaggeschenk helfen. Sie hat das Datum schon wieder verpeilt und muss alles bis heute Abend fertig haben, wenn Dad heimkommt“, bemerkte Shiloh, „Kommst du klar?“

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B: Liane und Lilith

Gedankenverloren beobachtete sie ihren Lehrer. Es ging um Mathematik. Funktionen und Schnittpunkte. Themen, die nur bedingt ihre Aufmerksamkeit halten konnten. Dennoch schrieb sie artig das Tafelbild ab und tat so, als würde sie sich auf ihre Aufgaben konzentrieren.

„-ne? Liane?“

„Ja?“, sie unterdrückte den Drang ihn zu korrigieren und sich Lilith zu nennen.

„Kannst du deine Lösung für 3b mit uns teilen?“, fragte der Lehrer genervt.

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Märchenstunde: Das Erbe des Berges II

Zum ersten Mal blieb Domini als Nachfolgekind in einem Dorf. Er gab seinen Status vor den wenigen Leuten des Dorfes bekannt und forderte die beste Unterkunft. Nur so konnte er sicherstellen, dass sich Deitas Vater benahm und dass alle die Launen des Berges ihm zuschoben.

Nicht Nova.

„Wie lange gedenkt Ihr noch zu bleiben?“, fragte Deitas Mutter am nächsten Morgen höflich.

Im Dorf sprach sie höflicher mit ihm, als draußen in den Wäldern oder an den Klippen. Wahrscheinlich versuchte sie, einen gesunden Abstand zu wahren. Und ihre Abmachung zu verbergen, wegen derer sie einst Nova aufnahm.

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