B: Gekaufte Exekutive

Chem Wak wartete ungeduldig auf der Polizeistation. Er war allein gekommen. Ohne seinen Fahrer. Deswegen hatte er auch ein normales Taxi nutzen müssen. Eines, das gestunken hatte. Eines, das die ganze Fahrt über geklappert und gezischt hatte. Eines, in dem der Fahrer kein Wechselgeld gehabt haben wollte!

Er verabscheute es.

Aber noch mehr verabscheute er es, wenn er sich irrte. Seit Freitagabend hatte er nun schon diese schwankenden Visionen über die Zukunft. Er hatte geglaubt, dass sie erst zum nächsten Wochenende von Relevanz wären. Weil die Zeitung in seiner Vision vom darauffolgenden Sonntag war. Weil sie von einer ruhigen Gegend handelten. Weil es Lilith ja gut gehen sollte.

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B: Die Kirche der alten Schule III

Noch immer starrte Lilith auf Tinas Vater. Jeden Moment, den sie vor dem Mann verbrachte, suchten sie mehr Erinnerungen heim. Sie erinnerte sich an düstere Lehren. Vergessene Regeln, die sie als Kind lernen musste. Die sie stets vor ihrer Mutter aufsagen musste. Die sie verinnerlichen musste. Die sie immerzu wiederholen musste.

Nach denen sie einst leben sollte …

„Damus der Gerechte hat nie aufgehört, über den See der Tränen zu wachen. Auch wenn die Sekte sein Antlitz unter das Wasser gezerrt hat“, entgegnete der Prediger vorsichtig.

„Nun, dürfte ich ihn dann besuchen? Oder wurde das diesjährige Präsent schon entschieden? Gerne würde ich ihn noch einmal lächeln sehen“, bemerkte Lilith.

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B: Die Kirche der alten Schule II

„Weiter geradeaus“, lotste Shiloh Mr. Brume durch die Straßen, „Erst hinter der Litfaßsäule links abbiegen.“

„Ich glaube, du bist eine der wenigen, die weiß, wie das Ding heißt“, gab der Mann zurück.

„Bin halt ein Zeitungskind“, erwiderte sie.

„Also, wohin geht’s?“, hauchte Oliver derweilen Lilith auf dem Rücksitz zu, während Shiloh mit seinem Vater sprach.

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B: Die Kirche der alten Schule I

„Ich muss morgen mit Shiloh in die Kirche“, eröffnete Lilith ihrem Vater, als sie ihn morgens in der Küche vorfand, „Kannst du uns hinbringen?“

„Morgen?“, er schaute kaum von seinen Papieren auf, „In welche?“

„In die der alten Schule“, erklärte sie, „Das ist die von Tinas Vater. Am See der Tränen. Ich habe gehört, dass sie wirklich schöne Buntfenster haben und eine gewaltige Statur im See-  Das möchte ich mir gerne ansehen und-“

„Nein.“

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B: Liane und Lilith

Gedankenverloren beobachtete sie ihren Lehrer. Es ging um Mathematik. Funktionen und Schnittpunkte. Themen, die nur bedingt ihre Aufmerksamkeit halten konnten. Dennoch schrieb sie artig das Tafelbild ab und tat so, als würde sie sich auf ihre Aufgaben konzentrieren.

„-ne? Liane?“

„Ja?“, sie unterdrückte den Drang ihn zu korrigieren und sich Lilith zu nennen.

„Kannst du deine Lösung für 3b mit uns teilen?“, fragte der Lehrer genervt.

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