Der sterbende Baum

Einst gepflanzt in satter Erde,
Auf dass es ein starker Baum werde,
Auf dass es wächst – hoch hinaus –
Breitet es die Äste aus.

Doch jedes Jahr kommt ein neuer Sturm.
Jedes Jahr kommt neues Verderben.
Jedes Jahr muss ein Spross sterben …

Der Sturm, er rüttelt am Turm,
An diesem Stamm, er knarrt,
An diesem Stamm, er schabt.

Er hat schon viele seiner Kinder gehen sehen.
Er konnte ihren Abschied nicht verstehen.
Er konnte ihnen nur nachsehen
Und blieb angewurzelt stehen …

Während die Samen Jahr um Jahr verwehen,
Blieb angewurzelt stehen.

Während die Äste Jahr um Jahr vergehen,
Blieb angewurzelt stehen.

Während sein Vermächtnis Jahr um Jahr verstarb,
Und der Baum der Realität erlag,
Welche Tag um Tag heran naht
Steht er doch in seinem eigenen Sarg.

In dem Sarg der Einsamkeit.

K: Die Bürden eines Sohnes

Es kostete Tristen fast ein Jahr, ehe er sich wieder offen im Stützpunkt blicken lassen konnte. Freilich hätte er auch schon vorher durch die Gänge spazieren können, doch wollte er seine Tante LiJu und seinen Vater in dem Glauben lassen, dass er noch auf die Räucherstäbchen angewiesen war. Räucherstäbchen, die sie ihm regelmäßig aufs Zimmer schickten.

Räucherstäbchen, die er stets von LaNa entsorgen ließ, um bei Verstand zu bleiben.

„Die Namen sind heute eingegangen“, bemerkte seine Auxilius als er sein Mittag beendete, „Über Generälin LiJu, wohlbemerkt.“

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