Die Hitze des Sonnenscheins

„Komme endlich raus!“,
Werde ich angebrüllt,
„Tret‘ in den Sonnenschmaus.
Sei nicht so vermüllt!“

Prompt ist die Tür wieder zu
Und ich habe kurz meine Ruh.
Kommen werde ich jedoch nicht,
Denn ich hasse jeden Sonnenstich.

Zikaden und Meer.
Der warme Flair.
Die sengende Hitze –
Wie ich schon schwitze!
Dazu noch das Zeckengetier
– Kleinster Vampir! –
Mit Mücken zuhauf.
Da pfeif‘ ich drauf!

Ich seh‘ mich um.
Gut. Ein Teller steht rum.
Ein Glas daneben.
Mehr „Müll“ mag es nicht geben.
Alles andere ist sauber und rein.
Halt nur ohne Sonnenschein.
Ohne dieses grelle Licht.
Der Vorhang tut halt seine Pflicht.

Ich wäge meine Optionen ab.
Die Diskussionen habe ich schon lange satt.
Jede schaufelt ein zu frühes Grab …

Also setz‘ ich die Kopfhörer auf.
Ich hoffe, ich fliege damit nicht auf
Und niemand fordert mich erneut auf.

Denn die Hitze des Sonnenscheins
Ist definitiv nicht meins.

Timothy – Julies Flucht

Angespannt umkreiste ich Julie. Ich konnte nicht anders. Ich musste bei ihr bleiben. Ich musste sie beschützen. Für sie da sein!

Dabei konnte sie mich nicht einmal sehen …

„Es tut mir leid. Es tut mir leid. Es tut mir leid“, flüsterte ich in die Nacht hinein.

Denn ich hielt mich für schuldig. Schuldig, nicht bei Timmy geblieben zu sein. Schuldig, ihn nicht beschützt zu haben. Schuldig, ihn sterben gelassen zu haben.

Er war jetzt tot.

Und Julie allein.

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Timothy – Das Vorhaben

Timmy kam erst in den frühen Abendstunden zurück. Begeistert erzählte er Julie von seinem Tag. Und von dem Fischer, dem er helfen durfte. Er wäre ziemlich streng gewesen. Aber er hatte ihm einen guten Lohn gezahlt, dafür, dass er eine bloße Schriftrolle überbrachte. Genug, damit er ein ganzes Laib Brot kaufen konnte!

Stolz brodelte geradezu aus ihm heraus, während er jedes Detail wiedergab. Es war nur eine kleine Aufgabe gewesen – aber er hatte sie allein erfüllt. Und er hatte sich dadurch etwas Essbares verdienen können!

Unschlüssig schob ich meine Erkenntnisse über unsere Nachbarn beiseite, während er mit Julie aß. Ich wollte sie nicht ablenken. Dennoch bemerkte ich, wie Timmy immer wieder fragend zu mir herüber sah. Als würde er ahnen, dass ich mich unwohl fühlte.

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Von der anderen Seite

Ich sehe Dich in der Ferne.
Ich sehe Dich und ersehne,
Deine Wärme.

Dennoch verharrst Du so fern,
Wie ein entfernter Stern,
Verharrst Du gern?

Meinen Pfeiler habe ich für Dich poliert.
Ich habe ihn mit Marmor verziert.
Habe jeden Winkel tapeziert.

Für Dich.

Dennoch stehst Du am anderen Ende,
Am baufälligen Gelände,
Bei brüchigen Brettern
Über die jeder muss klettern!

So komm‘ doch rüber – lass es stürzen,
Lass die Bretter das Meer würzen!
An meinem Ende kannst Du bleiben,
Bei mir kannst Du auf ewig verweilen!

Meine Brücke ist nur für Dich so schick.
Für mich selbst machte ich’s nicht.
Für mich selbst wär‘ mir die Arbeit zu viel.
Für mich selbst wär‘ es kein freudige Spiel.

Aber für Dich?

Dich möchte ich hier empfangen.
Um Dich möchte ich nimmermehr bangen.
Ich möcht‘ Dich halten, Dich lieben,
Ich möcht‘ in Deinen Armen liegen!

Warum stehst Du stets so fern?
Hast Du den Marmor nicht gern?
Möchtest Du es heller? Schicker?

Oder mach‘ ich es so nur unbeliebter?

KG: Timothy – Angekommen …

In der Hafenstadt lebten die Menschen nur für sich selbst.

Erleichtert und ängstlich zugleich beobachtete ich, wie sich niemand nach Timmy oder Julie umsah. So konnten die beiden ihre erste Nacht ungehindert auf offener Straße verbringen. Bis zur zweiten hatte Timmy bereits eine Mulde weiter Stadtauswärts ausgemacht, in der er ihren neuen Unterschlupf bauen wollte. Nur vorübergehend, behauptete er vor Julie. Damit sie erstmal vor Wind und Wetter geschützt wären.

Seine Schwester hätte an dem Tag allem lächelnd zugestimmt.

Das Mädchen war vom Meer wie verzaubert. Sie wollte diesen Ort nie wieder verlassen! Überglücklich fragte sie Timmy, wann wohl Mutter und Gretle kämen. Sie wolle diese Aussicht, dieses Paradies mit allen teilen!

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