Unschlüssig betrachtete TJ die massiven Türen vor ihm. Die Wachen hatten ihn zum Warten aufgefordert. Dabei sollte er eigentlich zu seinem Vater. Wegen der Planung eines Angriffs. Um die Monster endlich loszuwerden!
Und diesmal sollte er mitkommen. Er dürfte kämpfen.
Nur hieß das nicht, dass er auch wollte.
Reicht es nicht aus, dass Vater unseren Freund in das Ganze hineinzieht?, murrte seine zweite Seele.
Lass das, John. Ryan hat sich freiwillig gemeldet. Er will dort runter, korrigierte Tarek den anderen.
Die Wochen nach dem Angriff auf den Shanai über waren seine Gedanken vernebelt. Dafür sorgte seine Tante. Immerzu ließ sie ihm Räucherstäbchen bringen, welche betörende Düfte entfachten, sobald sie brannten. Gerüche, die ihn schwerfällig werden ließen. Die ihn seine Sorgen vergessen ließen.
Blinzelnd starrte Tristen auf das letzte abgebrannte Stäbchen. Es war bereits vor zwei Stunden erloschen. Dennoch hatte LaNa kein Neues angezündet. Sie hatte zuvor nur die anderen Macian rausgeschickt. Hatte darauf bestanden, dass sie TriSte’s Auxilius war. Dann hatte sie die neuen Stäbchen beiseite geräumt. Und seinen Vater, den Lyx, belügen lassen.
Denn laut ihr würde das nächste Räucherstäbchen bereits brennen.
Das ist so langweilig, murrte Steffen, als sie von ihrem Vater, dem Lyx, zu den Familienstammbäumen anderer Macian belehrt wurden, Ich mag das nicht. Zu viele Leute, die alle irgendwie irgendwas untereinander am Laufen hatten …
Nun, es ist gänzlich egal, ob wir es mögen. Wir brauchen es. Für Vali, entgegnete Tristen.
Damit gab sich seine andere Seele mürrisch den Erklärungen ihres Vaters hin. Sie sollten sich alles merken. Dabei interessierte es ihren Vater nicht, ob TriSte die Leute bereits kannte oder die Lektionen schon bei seiner Mutter hatte.
Denn was die Floris ihm beigebracht hatte, war dem Lyx stets ein Dorn im Auge.
TJ zog den Mantel enger um sich. Es war eigentlich nicht so kalt, dass er ihn bräuchte. Nicht zum Aufwärmen. Doch konnte er sich nur mit diesem ungesehen durch Kumohoshi schleichen. Denn der eingewebte Bannkreis gab ihm das Erscheinungsbild eines älteren Mannes. Das ersparte ihm die neugierigen Blicke, die er die letzten zwei Tagen bereits ertragen musste. Das ersparte ihm die Wachen, die ihm sonst seither folgten. Und es ersparte ihm die Fragen der anderen Hushen:
Wie war der Otou-san gestorben? Hatte sein Onkel schon entschieden, ob er die nächsten Jahre das Amt übernehmen würde? Die Rolle selbst durfte der Mann nur ausfüllen, wenn TJ sie verschmähte. Wenn TJ ein einfacheres Leben oder den Tod vorzog. Wäre das sein Plan? Wie würde er sich in die Machtverschiebungen eingliedern? Es wären immerhin viele hochrangige Hushen an einem Tag verstorben.
TJ wusste es nicht. Zu viel war geschehen. Er wusste noch, wie er sich von seinem Vater und besten Freund vor dem Angriff verabschiedet hatte. Wie sein Vater meinte, dass das Rechte nicht immer das Richtige war. Die beiden waren in den Stützpunkt eingedrungen, während TJ selbst die Umgebung mit überwachen sollte. So hatte er auch diese verwirrte Macian gefunden …