M: Ich kann das schon allein!

„Danke, dass Sie ihn gefunden haben. Es kommt nicht wieder vor“, beschwichtigte Sophie die Erzieherin, dessen Kopf den Farbton einer Tomate angenommen hatte.

„Das hoffe ich auch! Ich musste das ganze Gelände nach ihm absuchen!“, schrie diese immer noch erbost.

So erbost, dass Tyler sich weiter hinter seine ältere Schwester schob.

„Und dafür danke ich Ihn-“

„Dank, dank, dank!“, wiederholte die Erzieherin verächtlich, „Du kannst eurer Mutter ausrichten, dass der Betreuungsvertrag so nicht aufrecht erhalten werden kann! Kinder in dem Alter müssen sich beneh-“

Etwas in Sophie verkrampfte sich. Entschlossen drückte sie den Rücken durch. Sie starrte die Erwachsene eindringlich an. Dachte an das Häufchen Elend, das ihr Bruder war.

„Bei allem Respekt – ist es nicht Ihre Aufgabe auf die Kinder aufzupassen? Wie können Sie Tyler einen Vorwurf machen, wenn Sie es doch waren, die Ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt hat?“

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M: Zusammenhalt I

Zittrig presste Diana ihre Beine enger gegen ihren Oberkörper. Sie wollte in Ruhe gelassen werden. Wollte nichts mehr sehen. Nichts mehr hören. Nicht mehr-

„Diana! Mach auf!“, brüllte ihre Mutter hinter der verschlossenen Zimmertür.

Das Mädchen ignorierte sie.

Diese Frau wollte eh nur mit ihr meckern. Genau. Immerhin hatte Diana es ja gewagt, im letzten Mathetest nicht die volle Punktzahl zu erreichen! Wie konnte sie es nur wagen?! Sie musste doch perfekt sein! Immerzu perfekt sein! Perfekt, perfekt, perfekt, per-

Die Tränen verklebten ihre Augen und eilig wischte sie das Wasser weg. Sie starrte auf das Familienfoto neben ihrem Wecker. Da, auf der rechten Seite, stand sie. Mit ihren Eltern. Ihre Großmutter stand hinter dem einzigen Stuhl, auf dem der Diktator von einem Großvater saß. Links von ihm befanden sich Dianas Onkel. Dianas Tante. Rachel …

Rachel …

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M: Genug!

Sophie ließ die Worte an sich abprallen, während sie den Bleistift in ihrer Hand kreiste. Keine schnelle Bewegung. Eher eine rhythmische. Eine, die in dem Getöse der Diskussion gekonnt unterging.

Sie wollte keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Schon gar nicht, wenn sich die halbe Klasse wegen der Nachrichten zerfleischte.

„Er hat sie vergewaltigt!“

„Ob das denn stimmt?“

„Warum sonst sollte sie eine Abtreibung wollen?“

„Weil sie keinen Bock auf das Kind hat? Wer weiß schon, ob an den Behauptungen einer Minderjährigen etwas dran ist? Vielleicht will sie ihn nur in die Scheiße ziehen?“

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M: Internethistorie

„Na? Wie lange brauchst du diesmal?“, fragte Tyler den alten Rechner, „Ich habe dich vor fünf Minuten angeschaltet. Und du brauchst immer noch. Sicher, dass du eine so tolle Erfindung bist?“, murmelte er vor sich hin.

Allerdings lag keine Kraft hinter den Aussagen. Es waren nur leere Worte, die er trotzig über seine Lippen schob.

Das alte Teil brauchte genauso lange beim Start, wie sonst auch. Das war nichts Neues. Außer So- Außer Marie und ihm benutzte einfach keiner die Maschine. Ihr Dad kam mit der Technik nicht klar und ihre Mom zog die Geräte auf Arbeit vor. Die Erwachsenen hatten also kein Interesse daran, das Teil zu erneuern oder durch ein modernes zu ersetzen.

Der Startbildschirm präsentierte sich mit einer leisen Melodie.

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M: Blühende Hoffnung

„Was machst du da?“

Überrascht sah Sophie zu ihrem jüngeren Bruder auf. Sie hatte nicht erwartet, dass er zu ihr in den Garten kommen würde. Nicht zu dieser Jahreszeit, wo es noch so bitterkalt draußen war. In der Stube warteten immerhin der laufende Fernseher und ein paar Schokoladenkekse auf ihren Tyler!

Und in einem anderen Leben würde sie sich vielleicht dazugesellen …

„Ich pflanze ein paar Blumen. Damit es im Sommer schön aussieht“, erklärte sie ihm und stieß die Schaufel wieder in den Boden, um ein weiteres Loch in den Boden zu stechen.

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