K: Hinter der Duria

Das ist so langweilig, murrte Steffen, als sie von ihrem Vater, dem Lyx, zu den Familienstammbäumen anderer Macian belehrt wurden, Ich mag das nicht. Zu viele Leute, die alle irgendwie irgendwas untereinander am Laufen hatten …

Nun, es ist gänzlich egal, ob wir es mögen. Wir brauchen es. Für Vali, entgegnete Tristen.

Damit gab sich seine andere Seele mürrisch den Erklärungen ihres Vaters hin. Sie sollten sich alles merken. Dabei interessierte es ihren Vater nicht, ob TriSte die Leute bereits kannte oder die Lektionen schon bei seiner Mutter hatte.

Denn was die Floris ihm beigebracht hatte, war dem Lyx stets ein Dorn im Auge.

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K: Jessicas Familie

„Und dieser Nichtsnutz lässt sich wiedermal nicht blicken?“

„Er muss arbeiten“, entgegnete Jessicas Mama ruhig.

„Arbeiten! Aber sicher doch. An einem Wochenende!“

„Es gibt sehr viele Berufe, die rund um die Uhr besetzt sein müssen.“

„Pff! Und in welchem davon treibt er sich rum? Als Drogendealer? Ich glaube eher, dass er euch sitzen gelassen hat!“

Jessica zuckte unter den harschen Worten ihres Großvaters zusammen. Sie zwang sich zur Ruhe. Genauso, wie Papa es ihr beigebracht hatte. Sie musste ruhig bleiben. Sie und Nicole mussten die Worte an sich abprallen lassen. Sie durften nicht-

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K: Am Shanai II

„Ist … sie …“, hörte Tristen Steffen seine Mutter fragen.

Weiter kam sie nicht. Sie wagte es nicht den Tod auszusprechen. Das durfte sie nicht. Nicht als Floris. Aber als Mutter brauchte sie Gewissheit. Sie sorgte sich um ihre Tochter. Genauso, wie er sich um seine Schwester-

Sie lebt! Beeil dich endlich, Tristen! Sie lebt!

Die Worte ließen ihn erstarren. Wie sollte das möglich sein? Ihre Lippen … Sie waren so blau. So-

„Ich fürchte, ich kann nichts mehr tun“, entgegnete der Wassergeneral gepeinigt, „Ich bekomme das Wasser nicht-“

„Lügt nicht!“, schrie Tristen, als er die Starre überwand. Er sprang über das Loch – zu ungeduldig, um herum zu laufen. Für einen Moment gab der Boden unter ihm nach. Er glaubte, zu fallen!

Dann zog Julian ihn zu sich heran.

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K: Zum Shanai I

Valerie Maggie lief ruhig und bedacht durch die dunklen Flure zu ihrer Spielgefährtin. Nichts anderes würde man von ihr erwarten. Das hatte ihre Lehrerin oft genug betont. Sie müsse sich stets ehrenhaft präsentieren. Auch wenn sie keine Lust darauf hätte.

Wenigstens diesmal blieb ihr jedoch der Druck dabei erspart. Da sie noch im Kindesalter war, besaß sie keine eigenen Auxilius, die auf sie aufpassten. Und von den beiden Leibwächtern ihrer Mutter war einer unterwegs. Der andere musste bei ihren Eltern bleiben, während sich diese stritten. Und ihr Bruder? Der saß gerade in seinem eigenen Unterricht und könnte sie nicht verpetzen!

Es war ihre erste Chance seitdem sie hier wohnten!

Vielleicht sollten wir es dennoch sein lassen? Mama sah so unglücklich aus, bemerkte Maggie zögerlich.

Das kann nicht dein Ernst sein! Du wolltest dir doch den Fluss ansehen! Wir sind vor Monaten hergezogen und durften nicht ein einziges Mal hoch. Das ist viel zu bescheuert!

Hm, damit verstummte ihre andere Seele wieder.

Maggie war so ein Mamakind!

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K: Überbringung der lebendigen Flamme

Julian Nicolas reiste nur tagsüber. Er musste sich nach der Sonne richten. Andernfalls könnte seine Begleitung ungewollte Aufmerksamkeit erregen. Denn jede Regenwolke barg die Gefahr, dass man den brennenden Vogel am Himmel entdeckte.

Und das, durfte er nie riskieren.

„Ich lasse Sie an der nächsten Tanke raus, eh?“, unterbrach der Lasterfahrer seine Gedanken.

Julian nickte.

Trotz seines Ranges unter den Macian, zog er die unkonventionellen Transportmittel der Nichtmagischen vor. Per Anhalter oder mit einem Zug durchs Land zu fahren, mochte von seinen Mitstreitenden als ekelhaft oder gar beleidigend aufgefasst werden. Doch er genoss jeden Augenblick. Es erinnerte Julian an seine zweite Familie.

An ihr bedingungsloses Lächeln.

„Hinter dem nächsten Schlagloch wäre perfekt“, entgegnete er und legte ein paar Scheine auf das Armaturenbrett, „Für Ihre Umstände.“

Misstrauisch nickte der Mann, allerdings widersprach er nicht. Er war nicht sonderlich gesprächig. Die Verabschiedung bestand aus einem kurzen Handwedeln. Dann fuhr der LKW weiter die Landstraße runter.

Noch zwei Autos hinter uns. Dann ist die Luft rein, murmelte Nicolas sogleich.

Gelassen warf Julian seinen Seemannssack über die Schulter. Es war ein abgenutztes Ding aus dritter oder vierter Hand. Er hatte es sich mal besorgt, um unter den nichtmagischen Leuten weniger aufzufallen. Damals. Als er an der Küste stationiert war.

Nur war er hier meilenweit von der nächsten Küste entfernt.

Nachdenklich wanderte er die Straße entlang. Er wartete, bis die Fahrzeuge verschwunden waren. Erst dann bog er auf den Acker ein. Er kannte jeden Winkel des Feldes. Es hatte seiner verstorbenen Mutter gehört. Hier war sie groß geworden. Hierher war sie mit ihm gereist, wenn sein Vater die Kontrolle verlor und alles um sich herum zu Kleinholz verarbeitete. Hier war er auf die Welt gekommen. Hier hatte er sich versteckt, als sie gestorben war.

Und hier verbarg sich seine Hoffnung.

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