K: Nicht studieren

Ilse feuerte den Ofen an. Ein knarrendes, altes Ding, das älter als sie selbst war. Er musste noch mit Holzscheiten und dem Blasebalg vorgeheizt werden. Dennoch galt er zum Zeitpunkt des Hausbaus als modern.

Ganz im Gegensatz zu dem Kühlschrank daneben.

Stöhnend erhob sich Ilse und schloss den Ofen. Sie musste sich erst um das Frühstück kümmern. Danach kamen die Kuchen und Plätzchen ran, die sie an die Nachbarn verkaufte.

Es knarrte leise.

„Na? Endlich wieder daheim, Bekki?“

Geduldig wartete Ilse darauf, dass ihre jüngste Tochter in die Küche kam.

„Ich war nur kurz draußen, die frische Luft genießen“, erklärte Rebekka sogleich.

Ilse drehte sich nicht um. Sie kannte ihr Mädchen. Sie wusste wann es log.

Und sie wusste, wann es sich dafür schämen würde.

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K: Für unseren Sohn II

Die ersten Absonderlichkeiten fielen Thomas vier Wochen später auf.

Ihre Nachbarn schienen abends immer einen Teller mit Essen vor die Tür zu stellen. Keine Essensreste wohlgemerkt. Sondern richtige Menüs! Teilweise gingen sie sogar extra dafür einkaufen oder verzichteten auf ihren Nachschlag, um ihre Opfergabe vollständig darbieten zu können! Irritiert hatte er Selina nach dem Grund gefragt, doch sie schüttelte nur ratlos den Kopf.

„Die Leute hier sind anders. Sie sind zwar freundlicher und offener. Aber ihre Angewohnheiten sind … eigenartig. Ist dir aufgefallen, dass die Teller am nächsten Tag immer leer sind, Thomas? Aber man findet keine Pfotenabdrücke oder andere Spuren drum herum …“

„Vielleicht waren es Vögel?“

„Vielleicht …“

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