Er würde definitiv mit Angeline die Tage sprechen müssen. Wenn sie das nächste Mal mit einem Einbrecher ins obere Stockwerk verschwand, brauchte er freie Sicht! Die geschlossenen Vorhänge und Fensterläden ließen ja nicht einmal vermuten, wo sich die Schwangere derzeit befand. Er vermutete nur, dass es ihr noch gut ging. Immerhin schienen sich die Leute in der Stube wieder etwas entspannt zu haben.
Soweit es ihnen mit der bewaffneten Kim im Raum möglich war.
Johnny streckte die Arme auf dem Rückweg zu seinem Postengen Himmel. Das Tournier des Stromjungen war so langweilig gewesen! Daher waren ihm schon fast in der Turnhalle die Augen zugefallen. Hinzu kam das Mittagstief in der brütenden Julihitze, welches eine Pause des langen Tages verlangte. Was würde er nur dafür tun, mit Sissy zu tauschen! Sie hatte immerhin derzeit die Nachtschichten für die Überwachung der Stroms.
Erschöpft ließ er seinen Requisitenbeutel fallen, lehnte sich gegen seinen Laternenpfosten und starrte in das Blätterdach über ihn.
Zum ersten Mal blieb Domini als Nachfolgekind in einem Dorf. Er gab seinen Status vor den wenigen Leuten des Dorfes bekannt und forderte die beste Unterkunft. Nur so konnte er sicherstellen, dass sich Deitas Vater benahm und dass alle die Launen des Berges ihm zuschoben.
Nicht Nova.
„Wie lange gedenkt Ihr noch zu bleiben?“, fragte Deitas Mutter am nächsten Morgen höflich.
Im Dorf sprach sie höflicher mit ihm, als draußen in den Wäldern oder an den Klippen. Wahrscheinlich versuchte sie, einen gesunden Abstand zu wahren. Und ihre Abmachung zu verbergen, wegen derer sie einst Nova aufnahm.
Verärgert schwebte ich durch das Piratenhaus. Mir war zum Schreien zu Mute! Da bat ich gestern Timmy noch darum, nichts zu überstürzen. Aber er? Er entschied lieber, dass er bereits in der kommenden Nacht das Mädchen retten wolle!
Ich glitt durch die nächste Wand und kundschaftete den schmalen Weg dahinter aus. Dieses Haus hatte so viele versteckte Gänge und verborgene Türen, dass es einem Irrgarten glich! Jeder Raum war mit mindestens drei anderen verbunden – ohne, dass man es ihm direkt ansah. So gab es allein in der Küche drei verschiedene Kellereingänge, eine verborgene Treppe nach oben, eine offensichtliche Tür in den Flur sowie eine weitere hinter einer Arbeitsplatte. Darüber hinaus verbarg sich eine Luke, die mit einem Seil in den Raum darüber führte, schräg neben dem Kamin. Ich hatte sie nur zufällig entdeckt. Als ich durch die Decke geschwebt war. Doch hatte ich keine Ahnung, wie man sie öffnete.
„Ein Baby, vier Kinder, drei Frauen und fünf Männer“, zählte ich die Bewohnenden des Piratenhauses gedanklich durch, während ich es mit den Schlafplätzen im ersten Stock abglich, „Kommt hin.“
Timmy kam erst in den frühen Abendstunden zurück. Begeistert erzählte er Julie von seinem Tag. Und von dem Fischer, dem er helfen durfte. Er wäre ziemlich streng gewesen. Aber er hatte ihm einen guten Lohn gezahlt, dafür, dass er eine bloße Schriftrolle überbrachte. Genug, damit er ein ganzes Laib Brot kaufen konnte!
Stolz brodelte geradezu aus ihm heraus, während er jedes Detail wiedergab. Es war nur eine kleine Aufgabe gewesen – aber er hatte sie allein erfüllt. Und er hatte sich dadurch etwas Essbares verdienen können!
Unschlüssig schob ich meine Erkenntnisse über unsere Nachbarn beiseite, während er mit Julie aß. Ich wollte sie nicht ablenken. Dennoch bemerkte ich, wie Timmy immer wieder fragend zu mir herüber sah. Als würde er ahnen, dass ich mich unwohl fühlte.