Veröffentlichung: Die Zuflucht im Leuchtturm

Und da ich mich auch gar nicht (Sarkasmus) vor dem Lernen meiner (hoffentlich!!!) letzten Klausur drücke, habe ich ein Buch für den Young Storyteller Award 2023 hochgeladen. Tada!

© David Boca

Hierbei handelt es sich um eine Veröffentlichung der Mottengedichte, die vor dem Meer in den Leuchtturm flieht. Ich musste sie für die Veröffentlichung zusammenführen/kürzen, um den Richtlinien der Ausschreibung gerecht zu werden. Dennoch blieb der Kern beständig.

Genauso wie der Abschied, mit dem die Motte sich der Realität stellen muss.

Nun gut: Ihr könnt das Buch wie gewohnt über Amazon oder die Autorenwelt beziehen. Vielleicht werde ich auch ein Buchtrailer dazu erstellen. Seitdem Twitter dieses komische X hat, war ich nicht mehr auf der Seite und überlege noch, mich stattdessen mehr auf Instagram/YouTube zu zeigen. Mal schauen.

Medra

Stolz zu leben

Er war einst aus brüchigem Holz.

Ein zerbrechlicher Ast als Mast.
Die Ruder – zwei schiefe Schemen.
Das Segel – ein elender Gast,
Papier wäre stärker gewesen.

Damals wurde er vom Meer empfangen.
Er wurde liebkost und verwöhnt
Und zuletzt hintergangen.
Wobei das Meer tönt:

„Kommt zu mir zurück,
Sodass ich euch zerdrück!
Denn ihr seid mein – für alle Zeit.
Egal, von wie viel Leid ihr schreit!“

Aber der Kahn ist nicht mehr klein.
Er glänzt im edlen Schein.
Er versteckt die alte Pein.
Er stützt uns beide ungemein.
Denn wir fanden unser eigenes Heim.

Mit metallenen Körper
Und dampfenden Antrieb
Schwört er,
Dass er nie vergibt.

Denn er fand seines Lebens Stolz.

Lichter der Vergangenheit

Die kühlen Gräser unter mir,
Der weite Himmel über mir.

Und ich so endlos klein.

Schleichende Kälte unter mir,
Weit entfernte Lichter über mir.

Und ich fühl‘ mich hier allein.

Die Sterne sind zum Greifen nah, 
Die Sterne sind in großer Schar,
Die Sterne sind so hell und klar,
Die Sterne sehen mich als Narr.

Denn meine Hand ist ausgestreckt.
Sie hält sich nicht bedeckt,
Sie möchte diese Lichter erfassen,
Sie möchte zu den leuchtenden Massen,
Sie möchte hochgezogen werden,
Sie möchte fort von diesen Erden.

Frei fliegen,
Frei strahlen,
Frei tanzen,
Frei sein …

Verloren starre ich in den Himmel,
Sehe das wilde Gewimmel,
Sehe das bunte Gebimmel,
Sehe einen stürzenden Schimmel?

Schneeweiß galoppiert er hinab,
Hinab, in sein finsteres Grab.
Hinab ins endlose Nichts,
Das keine Zukunft verspricht.

Meine Hand sinkt nieder,
Ich erkenne mich kaum wieder.
Ich habe Angst vor dem Schein,
Möchte nun Zuhause sein.
Drum strecke ich die Glieder,
Sehe müde nochmal nieder.

Kalter Stein, kalte Gravur,
Vom Lächeln keine Spur.
Ich lege die weiße Lilie ab,
Trete fort von dem Grab.

Im Blütenmeer

Genießend in der warmen Brise,
Sitze ich auf einer grünen Wiese.
Über mir aber nicht nur grün.
Nein, grün, weiß und pink –
Seht nur flink!
Seht ihr es blüh’n?

Der Wind umspielt,
Die Blüten so lieb,
Er säuselt und zieht,
Er ist ein Dieb!

Ein Dieb, der die Farben verweht,
Der sie als Regen hinabfegt!
Ein Regen aus Schönheit,
Ein Regen der Sanftheit.
Ein Regen der Verlogenheit?

Blütenblätter, Blumen, Knospen –
Einst sind sie an Ästen gesprossen,
Nun am Boden ergossen
Oder eher vergossen?

Der Dieb gibt sich herzlich.
Der Dieb gibt sich lieblich.
Doch ändert er sich?

Er tanzt durch die Blätter,
Verzaubert das Wetter,
Spielt Lieder über das Leben,
Predigt das Geben.
Ich hör ihn nur reden!

Ich blicke mich um,
Verzweifle stumm.

Um uns ist ein Meer aus purer Schönheit.
Um uns ist eine Spur Vergänglichkeit.
Um uns sind diese sanften Farben.
Die just hier starben.

Duftende Erinnerungen

Manche Erinnerungen sind gestochen scharf,
Rezitieren kann ich sie im Schlaf. 
Die Farben sind ein Ticken zu grell, 
Der Klang des Echos so klar und hell.
Die Gerüche habe ich jedoch fast vergessen, 
Dennoch können sie mich nun erpressen.

Steigt mir die Zimtnote in die Nase, 
Beginnt die Weihnachtsekstase!
Petersilie erinnert mich an warme Tage, 
Gemüsesuppe an die kulinarische Plage.
Gebratene Zwiebel und gebratenes Ei
Ersehnen eine nette Plauderei.
Doch der Duft von Zitrone
Versendet Glückshormone
Und sie feuern wie Zyklone
Durch all meine Neurone!

So viele Gerüche mögen mich necken,
Nur müssen sie mich erst aufwecken.
Bis dahin weiß ich nicht, was sie aushecken, 
Sie müssen erst die Gegenwart beflecken. 

Erinner‘ ich mich an gestern zurück, 
Sehe ich nur das alltägliche Glück, 
Aber welchen Duft mein Kopf sich pflückt?
Welchen er mir für gestern aufdrückt?

Das weiß ich erst in mehreren Jahren,
Wenn meine Zellen sie sicher verwahren.