Die Sterne der Nacht

Lehn‘ dich zurück
Und schau hoch hinauf.
Siehst du die Lichter?
Sie sind dort zu Hauf.

Die Sterne –
So winzig klein von hier.

Die Sterne –
Des Himmels wahre Zier.

Sie erleuchten die Nacht.
Strahlen mit all ihrer Pracht.
Haben immer gelacht –
Niemand hat sie im Verdacht.

Im Verdacht, ganz anders zu sein.
Im Verdacht, kaltherzig zu schein’n.
Im Verdacht, unsere Pein zu sein.

Die Himmelslichter der Nacht
Sind keine fröhliche Pracht.
Sie haben uns seit jeher ausgelacht –
Haben nie über uns gewacht.

Dabei sind wir für die Sterne banal.
Nein, wir sind ihnen gar egal.
Wir sind nicht mal eine Wahl!
Wir sind nur unbedeutender Dreck.
Der vor ihren Augen verreckt.
Der sich nicht mal versteckt!

Das haben wir selbst vollbracht.

Wahre Hilfe

Ich sehe Dich:

Deine Fehler.
Deine Schmerzen.
Deine Falten.
Deine Stärken.

Ich höre Dich:

Deine Ängste.
Deine Schimpfe.
Deine Trauer.
Deine Wünsche.

Wenn Du mich brauchst,
Bin ich für Dich da.

Wenn Du mich brauchst,
Komme ich allemal.

Wenn Du mich brauchst,
Musst Du nur rufen.

Wenn Du mich brauchst,
Musst Du mich nie suchen.

Denn ich bin da.
Und bleibe geduldig.

Denn ich bin da.
Und Du bist mir nichts schuldig.

Keine Erklärung.
Keine Umarmung.
Keine Ehrung.
Kein – Nichts.

Denn ich bin für Dich da
Und ich warte –
Auf Dich.

Ob Du einen guten Ratschlag brauchst?
Ob Du jemanden zum Zuhören brauchst?
Ob Du meine Nähe brauchst?

Ich weiß es nicht,
Aber ich warte.

Denn Du siehst mich.
Und kennst die Karte.
Du kennst mein Menü
Und wie ich mich bemüh.

Du wählst die Hilfe,
Die Du brauchst.

Du wähltest die Hilfe,
Und ich lausch.

Mein klein Blümlein

Grashalm klein, Grashalm fein,
Sollst in meinen Träumen sein.

Grashalm klein, Grashalm fein,
Sollst wachsen zum Schein.

Grashalm klein, Grashalm fein,
Meine Liebe soll dein sein.

Unser Sonnenschein erwartet dich,
Umarmt dich mit gold’nem Licht:
Möcht dich wachsen seh’n,
Möcht dich blühen seh’n!

Denn du bist kein Grashalm klein.
Du bist ein zartes Blümlein.
Mein klein Blümlein,
Versteckt im tristen Hain,
Versteckt hinter Stein’n,
Bleibst noch für dich allein.

Wächst du still heran,
Mit klarem Gesang,
Mit bunten Blättern
Die in die Höhe klettern!

Gern komm ich zu dir
Verlier‘ meine Sorgen hier.
Mein klein Blümlein
Du verjagst meine Pein,
Nur in deinem Schein
Bin ich daheim …

Dankbar betrachte ich dich
Erstrahle innerlich,
Sehe dich als einzigartig!

Oh, mein klein Blümlein,
Ich goss dich.
Ich pflegte dich.
Ich schützte dich.
Ich liebe dich-

Du bist mein Herzlein.

Von zwei Seiten

Ausgehend von links,
Ausgehend von rechts,
Treffen sich beiderlei Schritte
Auf des Übergangs Mitte.

Die Brücke verbindet unsere Seiten,
Sie lässt uns hinüberschreiten.
Denn nirgends sonst ist ein Weg,
Und nirgends sonst ist ein Steg,
Über das endlose Gewässer
Mit Steinen wie Messer.

Fordernd recken sie sich empor,
Schauen aus Wellen hervor.
Sie besiegeln das Ende,
Wenn ich mich abwende,
Wenn das Geländer nicht wär‘,
Wenn ich die Lücken verehr‘ …

Schluckend blicke ich fort,
Sehe in der Ferne dein Ressort.
Es steht am Ende der Brücke,
Hinter der einst so weiten Lücke,
Die ich nun überbrücke!

Aber der Übergang ist federig.
Der Übergang ist wackelig.
Der Übergang ist moderig-

Auf meiner Seite.

Bei dir sieht es anders aus.
Bei dir fehlt der düst’re Graus.
Dort glänzt Marmor wie Mondenschein,
Während mein Holz hier vor Pein

Schreit,
Weint,
Stirbt …

Die Brücke hat zwei Pfeiler,
Zwei Seiten die sie stützt,
So wird der Übergang beschützt.

Die Brücke hat zwei Pfeiler,
Zwei Seiten – von jedem eine,
Zwei Seiten – auch von mir eine.

Die Brücke hat zwei Pfeiler,
Der drüben ist perfekt,
Während meiner schon verreckt …

Der unwiderrufliche Schnitt

Es pocht in meinen Ohren wider,
Ein rasendes Fieber.
Die Hände zittern,
Während Wellen gewittern.

Erstarren? Kämpfen? Rennen?
Wie soll ich meinen Ausweg kennen?
Wie kann ich gar noch stehen?
Aufrecht meiner Wege gehen?

Lähmend. Würgend. Zerrend.
Meinen Willen einsperrend!
Wie hebe ich den Blick?
Wie entgehe ich dem Strick?

Der Strick, der mich fesselt,
Dessen Knoten mich einkesselt …
Bin ich ans Meer gebunden?
Sind wir noch immer verbunden?

Sobald ich an die Fluten denke,
Ich mich selbst versenke.

Die Starre, die Wut, die Furcht –
Sie alle fließen durch mich hindurch.
Doch höre ich ein fernes Lied
Ein Lied, das mich zu sich zieht.
Ein Lied, das den Ausweg riet.
Ein Lied, das diese Angst besiegt.

Drum wage ich nun diesen Schritt.
Wage diesen unwiderruflichen Schnitt.
Doch werde ich die Narben mitnehmen.
Ich muss sie eines Tages erklären.

Denn den Sirenen
Werde ich die Laster verwehren.
Mit den Sirenen
Werde ich den Leuchtturm ehren.
Und den Sirenen
Werde ich ein Lächeln geben.
Für die Sirenen
Sollen frei vom Meer leben.