K: Am Shanai I

Tristen Steffen gab sich zwar aufmerksam und interessiert – dennoch nervten ihn die Erklärungen seiner Lehrerin. Klar. Er wusste, dass er alles über die Generäle wissen musste. Es war seine Pflicht. Wie sonst sollte er sie hinterfragen können, wenn seine Mutter oder Schwester verhindert waren?

Aber genau das war der Punkt: Wenn die weiblichen Floras verhindert waren. Die Generäle würden ihn ignorieren können, sobald auch nur seine Schwester zugegen war. Ihr Wort war wichtiger als das seinige. Sie war diejenige, der er den Rücken freihalten musste. Er würde neben ihr stets verblassen.

Wieso sollte er also jedes Detail der Generäle im Schlaf aufzählen können?

Wenigstens scheint Vali mit dem Unterricht für heute durch zu sein, murmelte Steffen gähnend.

Schleichst du dich schon wieder in ihre Gedanken? Das mag sie doch nicht!, belehrte er seine andere Seele.

Weiterlesen

Der unwiderrufliche Schnitt

Es pocht in meinen Ohren wider,
Ein rasendes Fieber.
Die Hände zittern,
Während Wellen gewittern.

Erstarren? Kämpfen? Rennen?
Wie soll ich meinen Ausweg kennen?
Wie kann ich gar noch stehen?
Aufrecht meiner Wege gehen?

Lähmend. Würgend. Zerrend.
Meinen Willen einsperrend!
Wie hebe ich den Blick?
Wie entgehe ich dem Strick?

Der Strick, der mich fesselt,
Dessen Knoten mich einkesselt …
Bin ich ans Meer gebunden?
Sind wir noch immer verbunden?

Sobald ich an die Fluten denke,
Ich mich selbst versenke.

Die Starre, die Wut, die Furcht –
Sie alle fließen durch mich hindurch.
Doch höre ich ein fernes Lied
Ein Lied, das mich zu sich zieht.
Ein Lied, das den Ausweg riet.
Ein Lied, das diese Angst besiegt.

Drum wage ich nun diesen Schritt.
Wage diesen unwiderruflichen Schnitt.
Doch werde ich die Narben mitnehmen.
Ich muss sie eines Tages erklären.

Denn den Sirenen
Werde ich die Laster verwehren.
Mit den Sirenen
Werde ich den Leuchtturm ehren.
Und den Sirenen
Werde ich ein Lächeln geben.
Für die Sirenen
Sollen frei vom Meer leben.

Timothy – Aufpasser in der Not

Stumm folgte ich Julie durch das kaputte Haus. Ich beobachtete, wie sie die Treppe ausbesserte, wie sie Kleidung flickte, wie sie mit ihren spärlichen Zutaten Abendessen zubereitete …

Sie war eine Kämpferin. Stur schleppte sie sich durch das Haus, um die täglichen Arbeiten zu verrichten. Arbeiten, die viel zu viel für ein so kleines Kind waren.

Ein Kind, das sich allein in diesem Haus glaubte.

Sobald Julie offenbart hatte, dass sie mich nicht mehr sehen konnte, hatte Timmy behauptet, dass ich fort wäre. Das wäre besser, hatte er im Nachhinein zu mir gemeint. Dann würde sie nicht denken, mit ihr wäre etwas falsch. Lieber mit dem Geist, der eh nicht mehr in diese Welt gehöre.

Mit mir.

Weiterlesen