Timothy – Zum Meer

Wir brachen im Schutz der Dunkelheit auf. So gedachten wir, keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Timmy trug die wenigen Vorräte und ein Messer bei sich, Julie zwei Decken sowie ihr Familienfoto. Mehr konnten die beiden Kinder nicht tragen. Nicht, solange sie zügig voran kommen wollten. Und nicht, solange ich keinen Körper besaß.

Still schwebte ich um die Geschwister herum, um Ausschau zu halten. Ich musste zusehen, dass ich sie ungesehen aus dem Dorf bekam. Sobald ich jemanden bemerkte, gab ich Timmy Bescheid, der seine Schwester dann eilig versteckte. So schlichen wir uns stumm zur nächsten Handelsstraße.

Nun mussten wir besonders vorsichtig sein.

„Bist du dir sicher, dass wir hier lang müssen?“, flüsterte Julie, als der morgendliche Nebel die Welt verschluckte.

Timmy sah sich nach mir um. Ich konnte die Sorge in seinem Blick erkennen. Immer wieder schwebte ich voraus, um alles auszukundschaften. Ich wusste, wie die Straße aussah, wo sich die Schlaglöcher befanden und wo die vergessenen Pferdeäpfel lagen.

Doch Janes Enkelkinder waren in diesem Nebel fast blind.

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Der unwiderrufliche Schnitt

Es pocht in meinen Ohren wider,
Ein rasendes Fieber.
Die Hände zittern,
Während Wellen gewittern.

Erstarren? Kämpfen? Rennen?
Wie soll ich meinen Ausweg kennen?
Wie kann ich gar noch stehen?
Aufrecht meiner Wege gehen?

Lähmend. Würgend. Zerrend.
Meinen Willen einsperrend!
Wie hebe ich den Blick?
Wie entgehe ich dem Strick?

Der Strick, der mich fesselt,
Dessen Knoten mich einkesselt …
Bin ich ans Meer gebunden?
Sind wir noch immer verbunden?

Sobald ich an die Fluten denke,
Ich mich selbst versenke.

Die Starre, die Wut, die Furcht –
Sie alle fließen durch mich hindurch.
Doch höre ich ein fernes Lied
Ein Lied, das mich zu sich zieht.
Ein Lied, das den Ausweg riet.
Ein Lied, das diese Angst besiegt.

Drum wage ich nun diesen Schritt.
Wage diesen unwiderruflichen Schnitt.
Doch werde ich die Narben mitnehmen.
Ich muss sie eines Tages erklären.

Denn den Sirenen
Werde ich die Laster verwehren.
Mit den Sirenen
Werde ich den Leuchtturm ehren.
Und den Sirenen
Werde ich ein Lächeln geben.
Für die Sirenen
Sollen frei vom Meer leben.

Timothy – Ähnlichkeiten

„Sie werden nun gezielt Ausschau nach dir halten“, murmelte ich, als ich Timmy endlich am Rande des Dorfes fand, „Und ich weiß nicht, ob … sie dich vielleicht sogar für verhext halten werden.“

Mein Blick schweifte über die Umgebung. Der Junge hatte sich auf eine Wiese zurückgezogen. Dieselbe Wiese, auf der ich mich einst nur kurz hingelegt hatte und plötzlich waren ganze Jahrzehnte vergangen. Hier hatten wir uns das erste Mal getroffen. Hier hatte ich seine Schritte vernommen. Seine grauen Augen das erste Mal erblickt …

Ob er sich daran noch erinnerte?

Nachdenklich betrachtete ich seinen zusammengekauerten Körper. Er sah so klein aus. Kleiner als Julie. Und so viel erschöpfter. All dieses Leid … Warum hatte die Familie immer so zu kämpfen?! Erst Jane. Dann anscheinend diese Marianne und Gretle. Nun Timmy und Julie …

„Bitte sei vorsichtiger. Das hätte auch schief gehen können“, bemerkte ich, als Timmy sich noch immer nicht rührte.

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Veröffentlichung: Die Zuflucht im Leuchtturm

Und da ich mich auch gar nicht (Sarkasmus) vor dem Lernen meiner (hoffentlich!!!) letzten Klausur drücke, habe ich ein Buch für den Young Storyteller Award 2023 hochgeladen. Tada!

© David Boca

Hierbei handelt es sich um eine Veröffentlichung der Mottengedichte, die vor dem Meer in den Leuchtturm flieht. Ich musste sie für die Veröffentlichung zusammenführen/kürzen, um den Richtlinien der Ausschreibung gerecht zu werden. Dennoch blieb der Kern beständig.

Genauso wie der Abschied, mit dem die Motte sich der Realität stellen muss.

Nun gut: Ihr könnt das Buch wie gewohnt über Amazon oder die Autorenwelt beziehen. Vielleicht werde ich auch ein Buchtrailer dazu erstellen. Seitdem Twitter dieses komische X hat, war ich nicht mehr auf der Seite und überlege noch, mich stattdessen mehr auf Instagram/YouTube zu zeigen. Mal schauen.

Medra

Lichter der Vergangenheit

Die kühlen Gräser unter mir,
Der weite Himmel über mir.

Und ich so endlos klein.

Schleichende Kälte unter mir,
Weit entfernte Lichter über mir.

Und ich fühl‘ mich hier allein.

Die Sterne sind zum Greifen nah, 
Die Sterne sind in großer Schar,
Die Sterne sind so hell und klar,
Die Sterne sehen mich als Narr.

Denn meine Hand ist ausgestreckt.
Sie hält sich nicht bedeckt,
Sie möchte diese Lichter erfassen,
Sie möchte zu den leuchtenden Massen,
Sie möchte hochgezogen werden,
Sie möchte fort von diesen Erden.

Frei fliegen,
Frei strahlen,
Frei tanzen,
Frei sein …

Verloren starre ich in den Himmel,
Sehe das wilde Gewimmel,
Sehe das bunte Gebimmel,
Sehe einen stürzenden Schimmel?

Schneeweiß galoppiert er hinab,
Hinab, in sein finsteres Grab.
Hinab ins endlose Nichts,
Das keine Zukunft verspricht.

Meine Hand sinkt nieder,
Ich erkenne mich kaum wieder.
Ich habe Angst vor dem Schein,
Möchte nun Zuhause sein.
Drum strecke ich die Glieder,
Sehe müde nochmal nieder.

Kalter Stein, kalte Gravur,
Vom Lächeln keine Spur.
Ich lege die weiße Lilie ab,
Trete fort von dem Grab.