Der Freund der Einsamkeit

Mit Menschen spreche ich nicht,
Ich mag ihre Worte nicht,
Ihre Geschichten sind gefüllt mit Streit,
Ihr Fokus liegt auf dem ewigen Leid.

Schon früh hab‘ ich mich abgewandt,
Ich malte lieber Zahlen in den Sand.
Ich baute Papierschiffe – ganz allein.
Ich hielt Abstand zu ihrer Pein …

So hagelte es Beschwerden – viele!
Warum ich nur stets allein spiele?!

Ich beugte mich widerwillig,
Verkaufte mich viel zu billig.
Ich erzwang ein Lächeln, einen Blick,
Machte mich nur für die anderen schick.

Dabei schmerzte das Anschauen so sehr,
Die Worte, das Schimpfen und mehr!
Ich flüchtete mich ins Lesen, ins Lernen,
Um Zahlen und Fakten zu vermehren.

So hagelte es Beschwerden – viele!
Warum ich nur stets alleine spiele?

Ich fügte mich wieder,
Trug ihr Gefieder,
Sang ihre Lieder,
Legte mein Buch nieder …

Doch rief es nach mir.

Ob Fakten, ob Zahlen,
Ob Buchstaben – sie erstrahlen!
Sie malten mir Pfade
In eigener Gnade.

Sie zerren an mir.

Leuchtende Gassen
Führen weg vom Hassen,
Führen zu neuen Wegen,
Die andere kaum verstehen.

Sie helfen mir. Gewappnet mit der Vernunft
Finde ich überall Unterkunft.
Ich habe nun ein Heim.
Fort von der vorschreibenden Pein.

Das war schon immer so!

Zum Frühstück gibt es Brötchen.
Mittags etwas Warmes.
Um vier Kaffee und Kuchen.
Abends etwas Kaltes.

Das war schon immer so!

Gearbeitet wird behände.
Von Montag bis Freitag.
Bloß nicht am Wochenende.
Bloß nicht am Feiertag.

Das war schon immer so!

Den Vater lobt man auf jedem Schritt.
Die Mutter bekommt dafür den Tritt.
Die Großeltern machen alles gut.
Die Kids sind die unwissende Brut.

Das war schon immer so!

Kinder dürfen keine Entscheidungen fällen.
Jugendlichen wird jede Wahl abgesprochen.
Erwachsene würden alles richtig erhellen.
Die senilen Alten sind eh zerbrochen.

Das war schon immer so!

Jedes Muster gehört aufgebrochen.
Jedes Vorurteil fortgeworfen.
Nichts davon ist versprochen.
Ein jedes wurde falsch entworfen.

Können wir es anders machen?

Manches mag uns klein erscheinen.
Als unwichtig mag man es beschreiben.
Dabei lässt jeder Stereotyp Personen leiden.
Niemand ist hierbei zu beneiden.

Können wir es anders machen?

Warum sollte Kaffee nicht um drei gehen?
Warum sollte die Arbeit samstags stehen?
Warum sollten wir Eltern getrennt betrachten?
Warum sollten wir des Kindes Worte missachten?

Können wir es anders machen?

Nicht jeder Apfel ist rund und rollt.
Nicht jeder Dank ist auch erfolgt.
Nicht jedes Lächeln ist gewollt.
Nicht jedes Wort ist Gold …

Können wir es bitte anders machen?

K: Nur ein Traum II

„Du bist spät dran“, begrüßte er JM, als sie sich endlich ins Zimmer schlich.

Hockend wartete er bereits seit Stunden neben dem bewusstlosen Mann auf sie. Am liebsten hätte er den Trunkenbold raus gezerrt. Er wollte ihn weit weg von dem kleinen Mädchen wissen, welches ihm so sehr ans Herz gewachsen war!

Aber Oni war nicht stark. Er war noch nie stark gewesen. Selbst damals, als seine Vertraute ihn brauchte, als er sie vor der ganzen Welt verteidigen wollte und Zähne fletschend vor ihr stand, war er ihr nur ein Klotz am Bein gewesen.

„Ich hatte zu tun“, erwiderte die neu angekommene Frau ausweichend und schob sich an ihm vorbei.

Zwei rot leuchtende Augen tauchten neben ihr auf. Sie erschienen aus dem Nichts und blieben mitten in der Luft hängen. Zuerst bohrten sie sich in Oni, dann in den schlafenden Mann.

„Hast du ihn umgebracht?“

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