B: Konsequenzen

Chem Wak begutachtete das Haus unruhig. Es würde nie seinen Geschmack treffen, doch das musste es ja auch nicht. Es war nicht seines …

Ein Fenster im ersten Stock wurde geöffnet. Er konnte Umrisse dahinter ausmachen. Ein Mädchen. Allein.

Sachte klopfte er gegen den Beifahrersitz und sofort setzte sich das Auto in Bewegung.

Es war noch nicht soweit.

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M: Zusammenhalt I

Zittrig presste Diana ihre Beine enger gegen ihren Oberkörper. Sie wollte in Ruhe gelassen werden. Wollte nichts mehr sehen. Nichts mehr hören. Nicht mehr-

„Diana! Mach auf!“, brüllte ihre Mutter hinter der verschlossenen Zimmertür.

Das Mädchen ignorierte sie.

Diese Frau wollte eh nur mit ihr meckern. Genau. Immerhin hatte Diana es ja gewagt, im letzten Mathetest nicht die volle Punktzahl zu erreichen! Wie konnte sie es nur wagen?! Sie musste doch perfekt sein! Immerzu perfekt sein! Perfekt, perfekt, perfekt, per-

Die Tränen verklebten ihre Augen und eilig wischte sie das Wasser weg. Sie starrte auf das Familienfoto neben ihrem Wecker. Da, auf der rechten Seite, stand sie. Mit ihren Eltern. Ihre Großmutter stand hinter dem einzigen Stuhl, auf dem der Diktator von einem Großvater saß. Links von ihm befanden sich Dianas Onkel. Dianas Tante. Rachel …

Rachel …

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K: Die Grün-Augen-Kobolde I

Isabel rührte lustlos in ihrem Mittagessen herum. Irgendein Auflauf. Sabine, die Betreuerin des Waisenhauses, hatte ihn vorhin zusammengewürfelt, doch konnte er das Mädchen nicht minder interessieren. Essen war nur eine Aufgabe.

Essen. Trinken. Schlafen. Aufstehen und Funktionieren … Das waren alles nur Aufgaben.

Aufgaben, in denen sie keinen Sinn sah.

„Ich weiß, es ist schwer“, erklärte ihr Stiefbruder Paul zum wiederholten Mal, „Aber Anja muss ihr eigenes Leben bewältigen. Und ihr eures. Verstehst du?“

Isabel blickte lustlos zu dem Älteren. Dann über die anderen besorgten Gesichter hinweg zu ihrem Zwilling Robby, der zumindest an seiner halben Scheibe Brot knabberte.

Er sah so müde aus …

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M: Das ist nicht fair!

„Du hast dich besser zu benehmen, Sophie!“

Erschrocken zuckte das Mädchen zusammen. Zu selten hob ihre Mom die Stimme. Und noch viel seltener erhob sie die Stimme ihr oder Marie gegenüber. Aber seit einer Weile schien ihre Mutter extrem missmutig auf ihre älteste Tochter zu sein. Und diese konnte einfach nicht verstehen, woran es lag!

„Das ist nicht fair … Marie und ich … Wir haben beide-“

„Zieh nicht deine Schwester mit rein!“, donnerte ihre Stimme wie ein Gewitter, „Wer von euch hat das Babyphone runtergeworfen?!“

„Es war ein Versehen!“, rief Sophie verzweifelt aus – sie spürte, wie Tränen aus ihr ausbrechen wollten, „Wir haben doch nur Ball spielen wollen! Marie hat geworfen und ich habe ihn nicht gefangen und dann ist er gegen Dads Tasche. Die hat das Babyphone runtergeworfen. Nicht wir! Wir haben nur-“

Sie brach ab. Plötzlich sah sie zur Seite. Ihre Sicht war weiß. Krisselig. Ihre rechte Wange glühte. Ein Pochen hallte in ihren Ohren wider. Ein stetiges Pochen, das alle anderen Geräusche verdrängte, bis-

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Einsamkeit

Hörst du das?

Diese Stille?

.

.

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Verlassen, allein,

Gebrochener Wille?

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.

Mir ist nicht kalt,

Mir ist nicht warm.

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.

Dennoch hält mich

Keiner im Arm.

.

.

.

Das Herz wird

Zerdrückt,

Fortgerückt,

Verrückt?

Verrückt von der Einsamkeit?

.

.

.

Verrückt von dem,

Was keinen befreit.

Was keinem-

-hilft.

.

.

.

Einsamkeit:

Ruhestunde.

Klaffende Wunde?

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.

.

Ist’s doch still,

Weil auch ich

Schweig.

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.

.

Ist’s nicht mein Will,

Fehlt mir der

Zweig?

.

.

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Nein.

Nicht ein Ast.

Mir fehlt ein Mast.

Ein Mast des Vertrauens?

Einer, der mich hält?

Einer, der mich schellt?

.

.

.

Einer, der mich beschützt.

Einer, der mein Innerstes

Beglückt.

Mit seinem Lächeln.

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.

.

Deswegen fehlt der Ton.

Deswegen fehlt die Musik.

Deswegen fehlt der Rhythmus.

Ein sanftes Wiegenlied.

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Es fehlt und ich schrei!

Ich schrei mir Hilfe herbei!

Ich suche die Arme!

Ich suche den Weg-

.

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Den Weg aus der stillen

Einsamkeit.