B: Das Gewissen ansprechen

Chem Wak schimpfte fast eine halbe Stunde ins Telefon. Er hatte angerufen, nachdem sie im Büro angekommen waren. Nachdem ihm unterwegs schon die Vision heimgesucht hatte. Er hatte gespürt, wie sie sich aufgebaut – wie sie gewachsen und seine letzte beiseite gedrängelt hatte. Ihm war beinahe schwindelig geworden, so sehr verschoben die fernen Erlebnisse die Welt um ihn herum.

Das Haus der Rivers war leer gewesen. Lilith fort. Ihre Entschuldigung von einem Vater weg. Flyer waren durch die Straßen geflogen. Darauf die Gesichter der beiden. Nach mehreren Tagen hatte man herausgefunden, dass der Helikoptervater eine Campingausrüstung beim Verlassen der Stadt gekauft hatte. Dass er seine Tochter bei sich gehabt hatte.

Kurz darauf setzten massive Regenschauer ein. Erdrutschwarnungen folgten. Tote wurden unter den Steinlawinen geborgen. Tote, die den Vermissten ähnelten.

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B: Zerrende Angst

„Du bist ja so spät dran“, brummte ihr Vater viel zu leise.

Liane hielt kurz inne, um aufzusehen. Erst dann schlüpfte sie aus ihrem zweiten Schuh und stellte das Paar neben die Treppe. Sie mochte es nicht, wenn er so ungeduldig klang. Es verunsicherte sie. Zumal sie ihre verwundete Hand in der Hosentasche verbergen musste!

„Wir waren noch bei Oli … War ein langer Tag“, murmelte sie, „Viel passiert.“

Sie wollte nicht Bettys dummen Streich ansprechen. Nicht Tinas Verhalten. Nicht das Geschrei von Bettys Vater. Nicht die Sorgen ihrer Freunde … Aber würde ihr Vater das zulassen? Er stand viel zu ungehalten im Flur. Als hätte er seit Stunden auf ihre Ankunft gewartet!

„Dann hättest du mir ruhig mal schreiben können, was los war“, erklärte er, „Weißt du eigentlich, wie viele Sorgen ich mir mache, wenn du nicht da bist, wenn ich nach Hause komme?! Du weißt doch, dass du dich nicht rumtreiben sollst!“

Liane stockte. Ihr schlechtes Gewissen meldete sich. Ja. Bestimmt war das Warten eine reine Tortur für ihren Vater gewesen … Sie hätte-

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