B: Checked-In

Die Fahrt im Auto verlief angespannt. Angespannt aber erleichtert. Chemy hatte sich zu Olivers Vater nach vorne gesetzt, während Tina, Shiloh und Oliver sich mit Lilith hinten ins Fahrzeug gequetscht hatten. Wahrscheinlich waren ihm die anderen Jugendlichen zu suspekt gewesen. Vielleicht waren sie und Oliver ihm zu nass. Oder er musste noch seine Gedanken ordnen. Vielleicht hatte er deswegen das Zwischenfenster der Limo nach oben gefahren?

„Du wärst fast gestorben …“, hauchte Tina nach einer Weile aus.

Unschlüssig sah Lilith zu ihr herüber. Dann nickte sie.

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K: Die Bürden eines Sohnes

Es kostete Tristen fast ein Jahr, ehe er sich wieder offen im Stützpunkt blicken lassen konnte. Freilich hätte er auch schon vorher durch die Gänge spazieren können, doch wollte er seine Tante LiJu und seinen Vater in dem Glauben lassen, dass er noch auf die Räucherstäbchen angewiesen war. Räucherstäbchen, die sie ihm regelmäßig aufs Zimmer schickten.

Räucherstäbchen, die er stets von LaNa entsorgen ließ, um bei Verstand zu bleiben.

„Die Namen sind heute eingegangen“, bemerkte seine Auxilius als er sein Mittag beendete, „Über Generälin LiJu, wohlbemerkt.“

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Timothy – Der Befehl der Rettung

Ich umkreiste Timmy und diese Madam besorgt. Es beunruhigte mich, wie gelassen Janes Enkel bei der Flucht blieb. Auch die unschlüssigen Blicke des Mädchens waren alles andere als hilfreich. Ob sie Angst vor Timmy hatte? Immerhin konnte sie mich ja nicht sehen. Sie wusste nicht, wie ich Ausschau hielt, Timmy die Positionen der anderen Leute zuflüsterte und so seine Schritte lenkte.

„Stopp“, warnte ich, während ich um die nächste Ecke sah, „Die Alte ist nebenan. Einen Moment.“

Damit glitt ich zu ihr herüber und konzentrierte mich auf den mickrigen Docht in ihrer Lampe. Ich musste mich nur kurz konzentrieren. Mich an meine Wut erinnern – und schon loderte die Flamme daran grell auf.

Schreiend ließ die Frau das Licht fallen und eilte in Richtung Küche. Sie schimpfte von Hexerei. Vom Teufel.

Nicht von einem Geist.

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Märchenstunde: Das Erbe des Berges II

Zum ersten Mal blieb Domini als Nachfolgekind in einem Dorf. Er gab seinen Status vor den wenigen Leuten des Dorfes bekannt und forderte die beste Unterkunft. Nur so konnte er sicherstellen, dass sich Deitas Vater benahm und dass alle die Launen des Berges ihm zuschoben.

Nicht Nova.

„Wie lange gedenkt Ihr noch zu bleiben?“, fragte Deitas Mutter am nächsten Morgen höflich.

Im Dorf sprach sie höflicher mit ihm, als draußen in den Wäldern oder an den Klippen. Wahrscheinlich versuchte sie, einen gesunden Abstand zu wahren. Und ihre Abmachung zu verbergen, wegen derer sie einst Nova aufnahm.

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Märchenstunde: Das Erbe des Berges I

Nachdenklich lehnte sich Domini an eine kahle Wand des Berges, von der er aus Novas Unterschlupf sehen konnte. Hier wartete er auf das Mädchen, mit dem er sich jeden Halbmond traf. Deita. Die Ziehschwester seiner eigenen. Und eine der wenigen, die wusste, wer Nova wirklich war.

„Du hast lange gebraucht“, grüßte er, als sie die Klippe bezwang.

Es war zu gefährlich, ihr aufzuhelfen. Wenn sein Vater oder seine Geschwister bemerkten, dass der Berg sich hier verschob, würden sie ihn leichter finden können. Es könnte ihnen auffallen, dass er regelmäßig herkam. Vielleicht würden sie sogar erkennen, dass Nova noch lebte. Dass der verbrannte Körper, den er letztes Jahr seinem Vater gebracht hatte, nur eine Fremde gewesen war.

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