C: Traumplagen I

Chem Wak sprang auf. Sein Herzschlag pochte wild durch seine Ohren. Sein stockender Atem kam keuchend und malte kleine Wölkchen in die eisige Luft. Seine zittrigen Hände versuchten, sich an seiner Matratze festzukrallen, ohne etwas greifen zu können. Und sein Pyjama klebte wie zäher Harz an seinem Körper.

Angestrengt schloss er die Augen und begann zu zählen.

Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf …

Erst als er hundert erreicht hatte, konnte er seine Hände wieder ruhig auf seinen Schenkeln ablegen. Jedoch dauerte es nochmal so lange, ehe sich auch Atem und Puls allmählich verlangsamten.

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C: Seltsamer Schutzengel

Müde rieb sich Liane die Augen und schloss das Buch, in dem sie eigentlich noch lesen sollte. Es brachte nichts. Sie war fast zu Hause und die Busfahrt war einfach zu einschläfernd für diese Art der Lektüre. Die holprigen Straßen luden geradezu dazu ein, die Lider zu senken und sich den Träumen über andere Welten hinzugeben.

Welten, von denen einzig sie zu träumen schien.

„Zeitverschwendung“, knurrend steckte sie das Schulbuch in ihre Tasche und schielte auf ihr Handy. Kurz vor neun. Sobald sie zu Hause ankam, müsste sie sich ums Abendbrot kümmern, duschen und ins Bett. Ihr Vater würde nicht vor elf zurück sein und ihre Mutter?

Die Frau war doch schon seit zwölf Jahren überfällig! Seitdem sie Liane nach ihren Träumen ausgefragt und diese für zu anstrengend befunden hatte.

„Verzeihung?“

Irritiert sah Liane zu dem Mann schräg vor ihr. Er war klein. Etwas rundlich. Hohe Stirn. Kleine Augen. Kurzgeschorene Haare.

Seltsam.

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