Seelenverwandte

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich weiß nicht für wen.

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich habe ihn noch nie gesehen.

Ich spüre nur die Verbindung – hinfort.
Ich spüre nur das Ziehen – zum anderen Ort.

Habe ich daher jede Beziehung erstickt?
Weil ich wusste: Das bist du nicht?
So war nach dem ersten Kuss
Stets Schluss.

Dabei weiß ich nicht mal, wer du bist!
Nur, dass mein Herz dich vermisst.
Nur, dass mein Herz für dich schlägt.
Nur, dass es das Warten kaum erträgt …

Bist du groß? Bist du klein?
Alt? Jung? Wirklich mein?
Mein Herz sagt, wir gehören zusammen.
Nur so könne uns‘re Liebe aufflammen.

Es ist sich so sicher …

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich habe ihn noch nicht gefunden.

Mein Herz schlägt für jemand anderen.
Ich bin an ihn gebunden.

Doch wie weiß ich sicher,
Wie mache ich mir gewahr,
Dass er nicht schon bei mir war?

Der unwiderrufliche Schnitt

Es pocht in meinen Ohren wider,
Ein rasendes Fieber.
Die Hände zittern,
Während Wellen gewittern.

Erstarren? Kämpfen? Rennen?
Wie soll ich meinen Ausweg kennen?
Wie kann ich gar noch stehen?
Aufrecht meiner Wege gehen?

Lähmend. Würgend. Zerrend.
Meinen Willen einsperrend!
Wie hebe ich den Blick?
Wie entgehe ich dem Strick?

Der Strick, der mich fesselt,
Dessen Knoten mich einkesselt …
Bin ich ans Meer gebunden?
Sind wir noch immer verbunden?

Sobald ich an die Fluten denke,
Ich mich selbst versenke.

Die Starre, die Wut, die Furcht –
Sie alle fließen durch mich hindurch.
Doch höre ich ein fernes Lied
Ein Lied, das mich zu sich zieht.
Ein Lied, das den Ausweg riet.
Ein Lied, das diese Angst besiegt.

Drum wage ich nun diesen Schritt.
Wage diesen unwiderruflichen Schnitt.
Doch werde ich die Narben mitnehmen.
Ich muss sie eines Tages erklären.

Denn den Sirenen
Werde ich die Laster verwehren.
Mit den Sirenen
Werde ich den Leuchtturm ehren.
Und den Sirenen
Werde ich ein Lächeln geben.
Für die Sirenen
Sollen frei vom Meer leben.

Zu spät

Kurz nach Sieben.
Ich wollt‘ hierher fliegen.
Wollt‘ es nicht verschieben.
Wollt‘ Dich nicht verlieren.

Bin ich zu spät?

Ich lehne mich an die Säule,
Lausche dem tosenden Geheule.
Der Wind lässt mich erzittern,
Wie bei tosenden Gewittern!

Ich bin zu spät …

Meine Uhr zeigt acht nach.
Das ich nicht lach‘!
Acht Minuten nach …
Obwohl ich versprach,

Mich nicht zu verspäten.

Erschöpft knie ich nieder.
Mir zittern die Glieder,
Wie beim Fieber,
Denn mal wieder,

Bin ich zu spät.

Zwanzig Minuten harre ich aus.
Ich will keinen Strauß,
Will keinen Applaus,
Will nur nach Haus‘.

Ich war zu spät.

Heute hätten wir entschieden,
Ob wir uns wirklich noch lieben.
Ob wir zueinander halten.
Ob wir uns nicht spalten.

Und ich war schon wieder zu spät.

Dabei war das doch Deine Kritik.
Deswegen hinkte unsere Physik.
Du läufst wie eine automatische Fabrik
Und ich bin das Dynamit,

Das zu spät zischt …

Der Morgen bricht an.
Schatten schlängeln sich heran.
Ich starre in den Sonnenaufgang
– viel zu stramm, viel zu lang –

Und stehe verspätet auf.

Trauer übernimmt mein Gesicht.
Doch lange währt sie nicht.
Denn ungläubig bemerke ich
Dich.

Verspätet.

Auf der anderen Seite der Säule warst Du.
Auf der anderen Seite der Säule wartetest Du.
Auf der anderen Seite der Säule hab‘ ich nicht nachgesehen.
Auf der anderen Seite der Säule ähnelt Dein Lächeln einem Flehen,

Das ich verspätet sah.

So wird mir Deine Liebe gewahr.
So wird mir unsere Zukunft gewahr.
So wirst Du mir gewahr.

Ich bin vielleicht zu spät,

Aber ich bin da.