Timothy – Ähnlichkeiten

„Sie werden nun gezielt Ausschau nach dir halten“, murmelte ich, als ich Timmy endlich am Rande des Dorfes fand, „Und ich weiß nicht, ob … sie dich vielleicht sogar für verhext halten werden.“

Mein Blick schweifte über die Umgebung. Der Junge hatte sich auf eine Wiese zurückgezogen. Dieselbe Wiese, auf der ich mich einst nur kurz hingelegt hatte und plötzlich waren ganze Jahrzehnte vergangen. Hier hatten wir uns das erste Mal getroffen. Hier hatte ich seine Schritte vernommen. Seine grauen Augen das erste Mal erblickt …

Ob er sich daran noch erinnerte?

Nachdenklich betrachtete ich seinen zusammengekauerten Körper. Er sah so klein aus. Kleiner als Julie. Und so viel erschöpfter. All dieses Leid … Warum hatte die Familie immer so zu kämpfen?! Erst Jane. Dann anscheinend diese Marianne und Gretle. Nun Timmy und Julie …

„Bitte sei vorsichtiger. Das hätte auch schief gehen können“, bemerkte ich, als Timmy sich noch immer nicht rührte.

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Märchenstunde: Des Seefahrers Kinder I

„Deswegen darfst du nie der Stimme des Meeres folgen!“, warnte sein Vater und schlug gegen ihren illustrierten Stammbaum.

Liber betrachtete die kunstvollen Porträts darauf. Ganz oben befand sich ein vergilbter König, gefolgt von seinen sieben Söhnen und seiner einzigen Tochter. Nur war letztere kaum noch zu erkennen. Über die Jahre hatte man ihr Bildnis so sehr verflucht und beworfen, dass einzig ihre Umrisse zu erkennen waren.

Anders verhielt es sich mit Libers direkten Vorfahren. Seinem Vater. Dessen Mutter. Libers Tanten und Onkeln, Brüdern und Schwestern.

Sein Urgroßvater war Giove gewesen. Der Königssohn, der die Schiffsfahrt und die Meereskunde beherrschte. Er war das einzige Königskind gewesen, das den Ozean gefahrlos überqueren konnte. Alle anderen hatten bei ihren Überfahrten mit Angriffen der Meernixen zu rechnen. Und genau das, hatte ihm und seiner Tochter das Überleben gesichert.

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