Märchenstunde: Die letzte herzlose Tat II

Domini musste sich drei Tage gedulden, ehe er die Chance ergreifen konnte. Drei Tage, in denen er sich seinem Vater unterordnete und vor diesem auf dem Boden kroch. Drei Tage, in denen er sich über die kranken Taktiken des Mannes belehren ließ, mit denen er die Dörfer erpresste. Mit denen er sich stets all jenes nahm, was ihm nicht zustand.

Nach der Lektion am dritten Tag gab Domini vor, Kopfschmerzen zu haben und sich zurückzuziehen. Er behauptete, dass der Berg ihm Alpträume bescherte, weil er sich stets an die Taten aus der Nachfolgesuche erinnern müsse. Und dass er wohl nun eine Pause bräuchte.

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Märchenstunde: Die Nachfolgesuche II

Domini harrte mit seiner Schwester vier Tage außerhalb des Berges aus. Vier Tage, in denen ihre Mahlzeiten aus Wasser und Beeren bestanden. Er kümmerte sich gutmütig um Nova. Genauso, wie es seine Mutter gewollt hätte.

Wenn ihr fetter Vater sie nur am Leben gelassen hätte!

Am fünften Tag fand einer seiner älteren Halbbrüder ihr Lager. Grinsend schlenderte er herüber und setzte sich an das Lagerfeuer, das Domini verloren angestarrt hatte.

„Unter Tage wirktest du lebendiger. Bedrohlicher, weißt du?“, fragte er.

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Märchenstunde: Die Nachfolgesuche I

Domini war einer von insgesamt vierundzwanzig Geschwistern, die sein Vater mit neun verschiedenen Frauen gezeugt hatte. Das war in ihrer Familie so üblich. Ihre Mütter hatten es stets beteuert. Nur so wären genug Kandidaten vorhanden, um den besten Erben für den Berg zu finden. Es durfte immerhin kein Kranker an die Macht kommen. Kein Dummer. Kein Unfähiger.

Am Ende durfte nur einer von ihnen überleben.

Aus diesem Grund pflegten Domini und seine Geschwister keinen Kontakt miteinander. Von den meisten kannte er nicht einmal die Namen. Nur die Gesichter. Man sah sich tagtäglich: Beim Reden mit dem Berg, im Unterricht, während der Mahlzeiten … Ihr Vater selbst hielt sich eher bedeckt. Der fette Mann hatte nur Augen für die Schatzkammer und seine Begierden. Meist fand man ihn bei einer seiner Frauen oder inmitten seines Reichtums. Es war ein einziges Wunder, dass Domini nicht noch mehr Geschwister hatte – so oft, wie sich der arrogante Kerl seinen Gelüsten hingab …

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