Timothy – Unter Adel

Es dauerte fast zwei Wochen, bis wir das Anwesen von Elisabeths Familie erreichten. Zwei Wochen, in denen ich Julie nicht von der Seite wich. Ich konnte nicht. Ich hatte Angst, dass ich sonst vergessen würde, warum ich bei ihr blieb. Warum ich sie seit Monaten begleitete. Warum diese Madam und Sir Stark eine Gefahr für das Mädchen darstellten!

Es war eine Tortur.

Doch nicht nur für mich. Da Julie eingewilligt hatte, mit nach Frankreich zu kommen, musste sie nun auch eine andere Sprache lernen. Ihr Lehrer war ein dürrer, alter Mann mit schwindendem Haar, der ihr für jeden Fehler mit einem Stock auf die Finger schlug. Und obwohl diese Elisabeth Julie anständig behandeln ließ, so verbat sie dem Lehrer seine Methoden nicht.

Ich hasste es.

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Timothy – Ein neues Leben

Die Madam entpuppte sich als Elisabeth. Sie war das älteste Kind und die Lieblingstochter eines Fürsten hinter der Meerenge. Und sie war es auch gewesen, die Sir Stark angewiesen hatte, nicht ohne Timmys Schwester aus den Wäldern zurückzukehren.

Nicht ohne Julie.

Denn sie wäre kein Teil des Dorfes. Sie müsse vom Befehl ihres Vaters verschont werden. Und sie müsse die Madam nach Hause begleiten, damit sich der Fürst selbst von der Wahrheit überzeugen könne.

All das erfuhr Julie jedoch erst, als sie Elisabeth traf. Dabei behauptete diese, dass Timmy von den Piraten erwischt worden wäre. Dass er gestorben war, um ihr das Leben zu retten. Dass sie deswegen von nun an auf Julie Acht geben wolle. Dass deswegen ihr Arzt auch für Julies Verletzung mit verantwortlich wäre und sie sofort zu behandeln habe!

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Timothy – Der Befehl der Rettung

Ich umkreiste Timmy und diese Madam besorgt. Es beunruhigte mich, wie gelassen Janes Enkel bei der Flucht blieb. Auch die unschlüssigen Blicke des Mädchens waren alles andere als hilfreich. Ob sie Angst vor Timmy hatte? Immerhin konnte sie mich ja nicht sehen. Sie wusste nicht, wie ich Ausschau hielt, Timmy die Positionen der anderen Leute zuflüsterte und so seine Schritte lenkte.

„Stopp“, warnte ich, während ich um die nächste Ecke sah, „Die Alte ist nebenan. Einen Moment.“

Damit glitt ich zu ihr herüber und konzentrierte mich auf den mickrigen Docht in ihrer Lampe. Ich musste mich nur kurz konzentrieren. Mich an meine Wut erinnern – und schon loderte die Flamme daran grell auf.

Schreiend ließ die Frau das Licht fallen und eilte in Richtung Küche. Sie schimpfte von Hexerei. Vom Teufel.

Nicht von einem Geist.

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Märchenstunde: Das Erbe des Berges I

Nachdenklich lehnte sich Domini an eine kahle Wand des Berges, von der er aus Novas Unterschlupf sehen konnte. Hier wartete er auf das Mädchen, mit dem er sich jeden Halbmond traf. Deita. Die Ziehschwester seiner eigenen. Und eine der wenigen, die wusste, wer Nova wirklich war.

„Du hast lange gebraucht“, grüßte er, als sie die Klippe bezwang.

Es war zu gefährlich, ihr aufzuhelfen. Wenn sein Vater oder seine Geschwister bemerkten, dass der Berg sich hier verschob, würden sie ihn leichter finden können. Es könnte ihnen auffallen, dass er regelmäßig herkam. Vielleicht würden sie sogar erkennen, dass Nova noch lebte. Dass der verbrannte Körper, den er letztes Jahr seinem Vater gebracht hatte, nur eine Fremde gewesen war.

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