Märchenstunde: Das Königreich der Hexen II

Es dauerte zwei Tage, bis der Prinz und die alte Frau wieder auf dem Pfad auftauchten. Nia saß wieder oben in den Bäumen. Sie beobachtete, wie die Nacktaffen am Waldrand herumlungerten. Fast so, als würden sie auf etwas warten. Oder auf jemanden? Vielleicht auf den Soldaten vom letzten Mal? Oder einen anderen? Er war ja diesmal nicht bei ihnen. Dabei war sich Nia sicher, dass sie ihn nicht zu stark verwundet hatte!

Kurz nach Sonnenhoch machten die Nacktaffen kehrt und liefen zum nächsten Dorf zurück.

„Was sie wohl wollten?“, fragte Aurora, die sich zu ihr gesellt hatte.

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Des Traumes Feder

Werden Augen geschlossen,
Werden Träume gegossen,
Wird die Tinte vergossen,
Die Feder, sie schreibt.

Das Luft ist Papier,
Die Farbe ist Zier,
Der Zauber ist hier,
Die Feder, sie springt.

Gemalt werden Berge,
Gemalt werden Wälder,
Gemalt werden Täler,
Die Feder, sie tanzt!

Erzählt werden Märchen,
Von verzauberten Pärchen,
Von hungrigen Bärchen!
Die Feder, sie bibbert …

Gruselig wird’s dabei auch,
Das ist ein fester Brauch.
Aber da folgt der Rauch!
Die Feder, sie jauchzt!

Der Horror ist verborgen,
Sie muss sich nicht mehr sorgen,
Freut sich auf den Morgen …
Die Feder, sie seufzt.

Die Tinte ist leer,
Das Ende muss her.
Es fällt ihr schwer-

Doch die Feder, sie fällt
Und der Traum zerfällt.

Märchenstunde: Das Königreich der Hexen I

Nia Birch beobachtete den verschlungenen Pfad am Waldrunter unter ihr. Er war ausgetreten. Beengend für die Nacktaffen des nächsten Dorfes. Zu breit für die Miracula, wie sie eine war. Und er befand sich fast fünf Körperlängen unter ihr. Hier hielt sie Wache. Sie hielt Ausschau nach den Biestern der Nacktaffen. Nach diesen Soldaten, die der König in die Wälder schickte. Diese Rüstungsträger, die Nia und ihre Familie stets ins Verderben stoßen wollten. Die immer nur kamen, um ihrer eins auszulöschen. Die immerzu ihren Tod wollten …

Und die immerzu dem Tod vorgestellt wurden.

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Märchenstunde: Der Biss der weißen Schlange III

Scute kehrte noch am selben Tag ins Dorf zurück. Diesmal brauchte er sich keine Sorgen um die Raubtiere des Dschungels zu machen. Alle machten ihm auf dem Rückweg Platz. Alle zeigten ihm Respekt.

Dank des Mals der weißen Schlange, das diese an seinem Handgelenk hinterlassen hatte.

Noch immer echoten ihre letzten Worte durch seinen Kopf. Mit diesem Biss gehörte er ihr. Er hatte ihr zu gehorchen. Er hatte all jene mit demselben Zeichen zu respektieren. Und er hatte sein Haupt vor ihnen zu beugen. Aber dafür stand er auch unter ihrem Schutz. Sie schenkte ihm ihr Wissen. Sie schenkte ihm ihre Gaben. Ihre Umsicht. Ihre Gedanken.

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Märchenstunde: Der Biss der weißen Schlange II

Einen ganzen Tag irrte Scute durch den Dschungel, ohne wirklich voran zu kommen. Den Worten der Wahrsagerin folgend hatte er sich auf alles konzentriert, was ihm nicht als groß erschien. Doch war das wenig erfolgversprechend. Es gab viel zu viele Blumen und Insekten, die das Heilmittel für seine Großmutter in sich tragen konnten! Wie konnte die Wahrsagerin also sicher sein, dass er es finden könnte?

Nachdenklich hangelte er sich einen anderen Baum entlang. Es war die sicherste Art der Fortbewegung. Zwar schmerzten ihm die Arme davon, aber das hieß nur, dass sie noch nicht Futter für eines der Tiere geworden waren. Auch hatte er es nicht gewagt, nachts die Augen zu schließen, weswegen die Müdigkeit ihn sachte umwob.

Bald würden Scutes Kräfte versagen …

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