Motte

Motte,
So nanntest du mich.
Ein Name, der so vieles verspricht.
Ein Wesen – ganz klitzeklein.
Immer angezogen vom Schein.

Motte,
Sie versteckt sich im Laub
Mit Flügeln voll Staub
Mit Fühlern so zart
Ist sie von anderer Art.

Motte,
Denn was soll ich
Mit Titeln wie kleiner Wicht,
Krümel oder Knutschkugel
Bin ich denn euer Pudel?!

Motte,
Ein einzigartiger Name,
Ich schließe ihn in meine Arme.
Ich nehme ihn an,
Lasse nichts anderes heran.

Motte,
Ich halte fest an dem Klang,
Halte fest an dem Gesang.
An dem Gesang vom Licht,
Das so vieles verspricht.

Eine Motte.
Das bin ich.


Der Fluch

Pinselstrich
Um Pinselstrich.
Erkennbar im matten Licht
Das eingefall’ne Gesicht.

Verfilzte Haare,
Asche und Ruß.
Weil es keine zehn Jahre
Alte gewesen sein muss.

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen
Taten.

Soll es verwirktes Leben
Wirklich immer geben?

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen
Sünden.

Soll dieser endlose Schmerz
Wirklich einziehen ins Herz?

Verstorben in Flammen!
Wegen vergangenen-
Nein!

Dies ist kein Ende.
Dies ist kein Punkt.
Es ist ein Und-
Und eine Rückblende.

So erklärt dieser Fluch
Den wütenden Besuch
Der lodernden Hölle.

Tintenfleck

Tropf! Heck!
Tintenfleck!
Geht nimmer weg.

Nicht vornehmlich,
Nein!
Sondern hämisch,
Glänzt es obendrein!

Sollte dort doch das Papier weiß bleiben.
Sollte dort doch die Pause verweilen.
Die Pause, die dem Satz
Vermacht einen Schatz.

Und nun?

Nun findet sich ein fetter Fleck
-ein Schreck!-
Und erfüllt keinen einzigen Zweck.

Die Tinte zerrinnt.
Die Farbe beginnt,
Fort zu fliehen,
Muster zu ziehen.

Ein Strich dort.
Ein Kringel hier.
Eine Gabelung da.
Ein Gewirr vor mir.

Etwas Wirres?
Etwas Schönes.
Etwas Einzigartiges!
Etwas-

Etwas, das mein Herz erstrahlt,
Während es munter weitermalt.

Ich muss wohl redigieren
Und darf es nicht korrigieren.

Dieser Tintenfleck
Kommt hier nicht weg.
Er ist auf diesem Papier
Richtig bei mir.  

Frühling

Kleine Grünlinge,
Winzige Ringel,
Stechen klar hervor.

So rege
Finden sie Wege,
Schießen hoch empor.

Krokusse, Veilchen
Und in einem Weilchen
Folgt die gesamte Pracht-
Hei, dann wird gelacht!

Bunte Flecken,
Spielen Verstecken.
Trällernde Lieder,
Klingen wider.
Das Leben beginnt,
Der Schnee zerrinnt.

Es frohlockt mit Rufen.
Es zerrt einen über Stufen.
Immer höher hinauf.
Und- wow!

Wie es prächtig erscheint,
Wie es Trauer verneint,
Wie es alle vereint!

Inmitten dieser Schönheit,
Verbirgt sich die Abwesenheit,
Des letzten Jahres.

Für nun beginnt es erneut,
Das Lied, das die Welt erfreut.

Schwarz Weiß

Eines dunkel.
Eines hell.
Eines warm und grell.
Eines kalt, kein Pastell.

Schwarz
Weiß

Weiß
Schwarz

Mit Rot wären wir beim Darts!

Aber – ist dem so?
Ist dies der Status quo?

Wie kommt es dann,
Dass Dunkles so Heiß
Und dass Weißes,
Das Weiße wie Schnee,
Das fröstelt mir die Zeh‘,
Nicht verstanden werden kann.

Verquere Welt.
Ein Ort, der gefällt.
Voller Antonyme,
Anonyme
Homonyme?

Kompliziert? Komplex?
Beinahe Verhext?

Vielleicht sollte es einfacher sein.
Vielleicht sollte es gleicher sein.
Vielleicht sollte es gemischt sein!

Schwarz und Weiß.
Weiß und Schwarz.

Immerhin wäre es schlau,
Ob nun zur Schau
Oder durch Umbau,
Grau zu wählen.

Nur sind Seelen,
Gemacht um zu leben.
Sie sind nicht Grau.
Sie sind nicht Schwarz.
Sie sind nicht Weiß.
Sie haben keinen Preis.

Seelen sind bunt.
Sie sind rund.
Sie sind eckig.
Fleckig.
Verzogen.
Gebogen.

Sie sind nicht Grau.
Sie sind Gelb-Blau.
Sie sind Grün-Rot.
Niemals tot.
Immer in Bewegung.
Immer in Erregung.

Wegen diesem.
Wegen jenem.
Und nichts ist zu verstehen.
Auf den Wegen
Der Seelen.

Für Schwarz ist nicht Schwarz.
Für Weiß ist nicht Weiß.Und Grau?
Bei der perfekten Mischung wird mir flau.
So existiert sie doch eh nicht!
Ein jeder hat sein eigenes Gesicht.