In Schubladen

Schuhe hier hin.
Hosen da hin.
Blusen dort hin.
Socken, wohin?

Alles hat seinen Platz.
Ob hier, ob da, ob dort…
Kaum mehr als ein Wort?

Alles hat seinen Platz.
Alles hat seinen Ort.
Alles muss fort…

Alles wird durchnummeriert.
Alles wird wegsortiert.
Alles wurde renoviert.

Nach dem Bild unserer Gesellschaft.

Ob nun Kleidung oder Wissen,
Nichts will seinen Platz missen.
Nichts soll seinen Platz missen. 
Nichts darf seinen Platz missen?

Menschen werden zugewiesen!
Ob sie nun klein sind oder Riesen.
Wer sich sträubt wird eingewiesen:

Mädchen sind pink, Jungen blau.
Manche sind dumm, manche schlau.
Kinder werden nach Bildung sortiert.
Extreme gelten aussortiert.
Der Standard wird nominiert.
Alles andere sei zu „kompliziert“.

Die einen sind Schuhe,
Kamen zuvor aus guter Stube,
Kamen zuvor aus guter Schule,
Sind nie zu finden in einer Grube.

Die nächsten sind die Hosen,
Sie gelten als dumme Dosen.
Keiner kann sie je liebkosen,
Sind mehr Stacheln als Rosen!

Dort hinten sind die Blusen,
Die Kreativen mit den vielen Musen.
Sie sind die stets konfusen
Heulsusen.

Und zuletzt die Socken,
Die bocken,
Waren stets am Zocken,
Konnten nur schocken,
Ihre Gegenparts nicht locken
Und sind nun auf ewig allein…

So soll es richtig sein?
Das soll unsere Gesellschaft sein?
Das soll unser Leben sein?
Das soll unsere Zukunft sein?!

Ein Leben in Schubladen…
Gehört umgedacht.

Ein Leben in Schubladen
Gehört ausgelacht.

Ein Leben in Schubladen
Gehört abgeschafft.

Dieses Jahr

Die Sohlen durchgelaufen,
Mit Masken zu Haufen
War ich Nudeln kaufen,
Nerven ersaufen.

Letztes-

Die Farben wurden fahl.
Sie waren einst meine erste Wahl.
Sie waren einst in kleiner Zahl.
Sie sind nun ganz kahl.

Letztes Jahr-

Fühlst du dich eingesperrt,
Wurdest du verstärkt
Aufgeklärt –
Nein. Belehrt?

Letztes Jahr ist-

Jeder gehört beschützt.
Jeder gehört unterstützt.
Jeder gehört gestützt.
Sodass es allen nützt!

Letztes Jahr ist vorbei.

Aber nicht unser Kampf.

Herausforderungen wird es immer geben.
Auch wenn wir nach keinen streben.
Denn unser Leben
Ist ein Segen.
Wir müssen es pflegen.
Nicht zur Ruhe legen
Und eben gegen
Jene reden
Die mit Bestreben
An Lügen kleben.

Letztes Jahr ist vorbei.
Dieses Jahr sei
– Bitte –
Keine Hetzerei.

Bitte.

Weg vom Fernseher

Krisselbild und Rauschen,
Begrüßt mich daheim.

Krisselbild und Rauschen,
Lässt mich nimmer allein.

Die Tage des alten Fernsehers
Sind schon lange gezählt.

Die Tage des alten Fernsehers
Wurden nicht bewusst gewählt.

Vater kam rein und knipste ihn an.
Mutter kam rein und war als nächste dran.
Dann folgte die ganze Schar –
Selbst das Urgroßmütterchen war da!

Sie alle knipsten und zappten und tippten
Sie diskutierten und stritten:

Was sollte es diesmal sein?
Romanze? Tragödie?
Sitcom? Oder Komödie?

Ach, lasst mich damit doch allein!
Lasst mich alle in Ruh!
Ich schlag die Türen zu!

Neben mir liegt mein Schatz,
Direkt auf meinem Lieblingsplatz.
Daneben eine kuschlige Decke,
Meine Wasserflasche in der Ecke.
Ein paar Nüsse aus der Dose,
Dessen Deckel, der ist lose.

Seufzend rolle ich mich ein,
Ein flackernder Schein,
Dringt durch Ritzen herein.

Ich blende die Stimmen aus.
Ich blende das Rauschen aus.
Ich sperre die Realität aus!

Fortan gibt es nur mein Buch und mich.
Eine Geschichte, wie geschaffen …

… auch für dich.

Herbst

Rot. Orange. Gelb.
Denn so gefällt
… das Feld?
Nein:
Die ganze Welt!

In Farben getränkt,
Wird Kälte verdrängt.
Wird abgelenkt …

Der Nebel verzieht sich,
Bringt alle Wunder ans Licht.
Das Tau glitzert im Anblick
Und wirkt dabei so schick!

Oh! Da ein Reh!
Dass ich dich hier seh‘.
Eichhörnchen und Igel …
Fehlt nur noch Fuchs und Wiesel!

Ach, farbenfrohe Welt,
Dich gibt’s für kein Geld!

Wir schreiten voran,
Schreiten von dann’n.
Immer tiefer in den Wald,
Tiefer in die Vielfalt.

Denn das trockene Laub
Versteckt knistert
Und flüsternd,
Was sich hinter uns zusammenbraut.

Am Horizont.

Erst war es ein sanftes Ziehen,
Plötzlich waren wir auf Knien.
Wir schrien.
Wollten fliehen!

Peitschende Winde!
Peitschende Lüfte!
Peitschende Gewalten!
Peitschende Übergriffe!

Die bunten Blätter wehen von dannen.
Sie schlagen um sich – wollen verdammen!
Matsch, Sturm und Regen
Wollen uns fortwehen!

Dann nach Ewigkeiten
Endlich Segen …

Stille.

Knarren.

Stille.

Verharren.

Stille.

KNALL!

Der Schall hallt
In unseren Ohren wider.
Vor uns legte sich
Eine Eiche nieder.

Und starb durch den Sturm

Des Herbstes.

Dieses Leben

Am Anfang steh ich da –
Ganz klein
Allein
Daheim.

Meine Taschen sind leer,
Ich hätte gern mehr,
Ich hätte gern nichts,
Entgegen des Gewichts.

Ist Verantwortung eine Bürde?
Eine viel zu große Hürde?
Eine Verletzung der eigenen Würde?

Ah, nein! Nun bin ich losgelaufen,
Während sich die Fragen raufen.
Sollte ich nicht lieber verschnaufen?

Ich stoppe sogleich wieder,
Senke meine Lider,
Schaue nieder.

Hinter mir liegen drei Schritte.
Drei endlos lange Schritte.
Drei winzig kleine Schritte.
Meine Schritte.

Vor mir liegt ein endloses Feld.
Kein Weg, kein Pfad,
Der mir gefällt.

Ich habe kein Geld,
Bin zu Fuß, nicht zu Rad
Unterwegs durch die Welt.

Also ziehe ich die Luft ein.
Ich mache mich nicht mehr klein.
Ich bin bald nicht mehr allein.
Ich gründe mein eigenes Heim!

Dieses Leben –
Das ist mein.