Wahrer Wind

Der Wind kennt keinen Halt,
Wenn er durch uns‘re Welt schallt.
Ja, mal muss er sich verbiegen,
In falsche Richtungen gar fliegen.
Er muss tanzen und sich strecken,
Gelangt trotzdem in entlegenste Ecken!

Denn der Wind ist frei –
Frei zu träumen,
Frei von Zäunen
Frei von jeder Streiterei.

Im Wind singen die Wünsche.
Sie sind dort wahre Trümpfe.
Sie entgehen jedem Nein,
Singen in die Welt hinein!

Mal sind sie sanft und zart.
Mal stürmisch und hart.
Mal verherrlichen sie das Glück.
Und mal fordern sie ihre Liebe zurück.

Die Winde sind frei.
Die Träume sind frei.
Die Zukunft ist frei?

Dennoch sollen wir unsere Richtung lenken?
Ohne den morgigen Tag zu zerdenken?
Unsere Hindernisse können nur bedingt nützen!
Wir müssen uns aufs Unbekannte stützen.

Timothy – Ehearrangements

Einen Tag nach Marias und Elisabeths Auseinandersetzung, stand die ältere  Schwester vor Julias Tür. Sie war in den Morgenstunden gekommen. In tiefster Dunkelheit und noch ehe das Haus erwachte. Nur sie und eine kleine Kerze, mit der sie ihren Weg beleuchtete.

Also durfte ich nicht die Beherrschung verlieren. Ich musste mein Gemüt zurückhalten. Keinen Zorn zulassen. Damit die Flamme ruhig blieb.

Damit Julia sicher war.

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Märchenstunde: Das Erbe des Berges II

Zum ersten Mal blieb Domini als Nachfolgekind in einem Dorf. Er gab seinen Status vor den wenigen Leuten des Dorfes bekannt und forderte die beste Unterkunft. Nur so konnte er sicherstellen, dass sich Deitas Vater benahm und dass alle die Launen des Berges ihm zuschoben.

Nicht Nova.

„Wie lange gedenkt Ihr noch zu bleiben?“, fragte Deitas Mutter am nächsten Morgen höflich.

Im Dorf sprach sie höflicher mit ihm, als draußen in den Wäldern oder an den Klippen. Wahrscheinlich versuchte sie, einen gesunden Abstand zu wahren. Und ihre Abmachung zu verbergen, wegen derer sie einst Nova aufnahm.

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Märchenstunde: Der Zirkel der Miracula II

„Hallo, mein Name ist Aura. Das ist die Kurzform von Aurora, weißt du?“, stellte sich der Vogel vor.

Das ängstliche Mädchen schüttelte den Kopf und schob sich gegen Miras Beine.

„Alles gut. Ich bin nicht hier, um dir zu schaden. Darf ich mir deine Stirn einmal ansehen? Nur kurz?“

Unschlüssig schaute das Kind zwischen Mira und dem großen Vogel hin und her. Sie wirkte angespannt. So, als wollte sie ablehnen. Als fürchtete sie sich jedoch, dann verstoßen zu werden. Deswegen schien sie auf Hilfe zu hoffen. Auf eine Eingebung.

Aber diese konnte Mira ihr nicht geben. Das Kind musste selbst entscheiden.

Jedem gehörte nur das eigene Leben!

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Der Tanz im Regen

Als die ersten Tropfen fielen,
Sprangst du sehnsüchtig hinaus. 
Du wolltest nur kurz spielen,
Durch den sanften Regen ziehen.

Über Jahre hielt man dich zurück,
Sei artig, lieb, bleib bloß entzückt!
Über Jahre musstest du dich beugen,
Dein geknicktes Kreuz kann es nicht leugnen!

Nun tanzt du voller Wonne
Und wünschst keinen Applaus.
Du vermisst keine Sonne-
Wolltest nur vor ihr fliehen?

Wer braucht schon das helle Licht,
Wenn man im Tanzen sich selbst vergisst?
Wer braucht schon eine klare Sicht,
Wenn man seine Tränen nie vermisst …

Oder hast du losgelassen?
Dem Unrecht verziehen?
Konntest du neuen Mut fassen?
Dem Trübsal entfliehen?

So spring durch die Pfützen,
So spring über Bäche.
So dreh dich geschwind,
So tanze auch blind!

Tanze wie ein Kind am Lebtag.
Tanze über den gesamten Pfad.
Mach dich ruhig dreckig-
Das muss mal sein.
Mach die Kleider fleckig-
Gib ihnen deinen Schein.

Für heute ist ein Tag zum feiern,
Lass die anderen ruhig geiern.
Lass sie lästern und quasseln,
Während unsere Schritte prasseln.

So springt das Wasser bis zu mir.
Denn ich steh schon längst bei dir.
Nein ich steh nicht – ich tanze mit!
Und genieße jeden einzelnen Schritt.