Märchenstunde: Der neue Pakt II

„Was ist so lustig?“

Die Worte klangen so melodisch in Libers Ohren wider, dass er die Sprecherin sofort erkannte. Stumm setzte er sich auf und erwartete dabei fast, sie im Wasser neben seinem Boot vorfinden zu müssen. 

Stattdessen lehnte sie bereits halb darin. 

Sie trug ihre menschliche Gestalt. Jene mit den zwei Beinen, den langen dunklen Haaren und ihren normalen Zähnen. Auch konnte er weder Schuppen noch Schwimmhäute entdecken. Genau, wie bei ihrer ersten Begegnung. Und ganz anders, als sein Vater sie ihm zuletzt beschrieben hatte. 

Dieser hatte sie meist mit einem blutrünstigen Ungeheuer verglichen. 

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Märchenstunde: Des Seefahrers Kinder II

Die erste Hälfte der Strecke erwies sich als so ereignislos, dass Liber sich vollkommen entspannte. Er blickte kaum noch zur Insel herüber, um nach den Boten seines Vaters Ausschau zu halten – Helmträger, die Fackeln entzündeten, sobald sie seine Segel ausmachten.

Sie würden Alarm schlagen, wenn er kenterte.

Mit frischem Mut gewappnet bedachte er das Gewässer vor sich. Er näherte sich dem Riff. Hier musste er eine Entscheidung fällen: Sollte er geradeaus weiter und das Risiko eingehen, sein Boot zu beschädigen? Oder sollte er lieber hinaus aufs Meer fahren und den längeren, aber sicheren Weg in Kauf nehmen? Eigentlich hatte er sich daheim für letzteren entschieden. Aber da alles so gut lief und sein Boot eh keinen großen Tiefgang hatte … Gewiss könnte er sich die Umfahrung sparen, oder?

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Veröffentlichung: Die Zuflucht im Leuchtturm

Und da ich mich auch gar nicht (Sarkasmus) vor dem Lernen meiner (hoffentlich!!!) letzten Klausur drücke, habe ich ein Buch für den Young Storyteller Award 2023 hochgeladen. Tada!

© David Boca

Hierbei handelt es sich um eine Veröffentlichung der Mottengedichte, die vor dem Meer in den Leuchtturm flieht. Ich musste sie für die Veröffentlichung zusammenführen/kürzen, um den Richtlinien der Ausschreibung gerecht zu werden. Dennoch blieb der Kern beständig.

Genauso wie der Abschied, mit dem die Motte sich der Realität stellen muss.

Nun gut: Ihr könnt das Buch wie gewohnt über Amazon oder die Autorenwelt beziehen. Vielleicht werde ich auch ein Buchtrailer dazu erstellen. Seitdem Twitter dieses komische X hat, war ich nicht mehr auf der Seite und überlege noch, mich stattdessen mehr auf Instagram/YouTube zu zeigen. Mal schauen.

Medra

Stolz zu leben

Er war einst aus brüchigem Holz.

Ein zerbrechlicher Ast als Mast.
Die Ruder – zwei schiefe Schemen.
Das Segel – ein elender Gast,
Papier wäre stärker gewesen.

Damals wurde er vom Meer empfangen.
Er wurde liebkost und verwöhnt
Und zuletzt hintergangen.
Wobei das Meer tönt:

„Kommt zu mir zurück,
Sodass ich euch zerdrück!
Denn ihr seid mein – für alle Zeit.
Egal, von wie viel Leid ihr schreit!“

Aber der Kahn ist nicht mehr klein.
Er glänzt im edlen Schein.
Er versteckt die alte Pein.
Er stützt uns beide ungemein.
Denn wir fanden unser eigenes Heim.

Mit metallenen Körper
Und dampfenden Antrieb
Schwört er,
Dass er nie vergibt.

Denn er fand seines Lebens Stolz.

Zum Mond

Einsam stehe ich hier,
Blicke in endlose Gier,
Rasend wie ein Tier,
Schier!
Ein wütender Stier.

Die endlose Dunkelheit.

Die Arme umschlingen den Leib.
Sie verbieten den Neid.
Sie lassen das kleine Boot ziehen,
Können blind nicht fliehen,
Können nur niederknien.

Erstreckt sich weit und breit.  

Der Mond bekümmert,
Er strahlt zertrümmert,
Er flimmert und wimmert,
Glimmert und Schimmert,
Heller noch
Als das Loch
Hinter mir.

Sie nimmt Geborgenheit.

Denn der Leuchtturm ist kalt,
Er ist düster und alt.
Er knirscht und knarrt
Von altem Verrat.

Wandelt sie hilfsbereit.

Verrat, den das Meer beging,
Als es den Kahn empfing,
Als es mein Urteil verhing.

Bei jeder Gelegenheit.

Und die Glühwürmchen
Aus dem Türmchen
Lockt.

In Einsamkeit.

Nun sind sie im Himmel,
Bedecken ihn mit Gewimmel
Mit diesem Mond,
Der dort oben wohnt.
Der so grell und hell erstrahlt
Und meine Glühwürmchen bemalt.