Am Boden

Einsam und verloren,
Im Inneren erfroren,
Nach Außen ein Lächeln,
Ich darf ja nicht schwächeln.

Erschöpft, ohne Kraft,
Während ein jeder lacht,
Während jeder sich freut,
Fühl‘ ich mich wie betäubt.

Die Steine liegen-
Nein! Sie fliegen,
Mir mitten ins Gesicht,
Doch Schmerz spür‘ ich nicht …

Wer spürt schon die Tropfen im Meer,
Wenn das Wasser drückt so schwer?
Beim Ertrinken wird es nicht vermessen,
Man wird stattdessen am Boden vergessen …

Am Boden unter so viel Nass,
Wird meine Haut ganz blass,
Während ich mich verlass …

Ein Lächeln nach oben
Vom untersten Boden
An jene mit ihren Sorgen,
An jene mit einem Morgen …

An jene, die mich hochziehen?

Die Hände sie reichen,
Sie sind mir ein Zeichen,
Sie wollen nicht weichen,
Lassen mich nicht erbleichen!

Sie zerren mich an die Luft,
Zerren mich aus der nassen Gruft,
Sie zerren mich zurück ins Leben,
Das ich beinah hätt‘ vergeben

Und schenken mir Seelfrieden.

Märchenstunde: Das Erbe des Berges I

Nachdenklich lehnte sich Domini an eine kahle Wand des Berges, von der er aus Novas Unterschlupf sehen konnte. Hier wartete er auf das Mädchen, mit dem er sich jeden Halbmond traf. Deita. Die Ziehschwester seiner eigenen. Und eine der wenigen, die wusste, wer Nova wirklich war.

„Du hast lange gebraucht“, grüßte er, als sie die Klippe bezwang.

Es war zu gefährlich, ihr aufzuhelfen. Wenn sein Vater oder seine Geschwister bemerkten, dass der Berg sich hier verschob, würden sie ihn leichter finden können. Es könnte ihnen auffallen, dass er regelmäßig herkam. Vielleicht würden sie sogar erkennen, dass Nova noch lebte. Dass der verbrannte Körper, den er letztes Jahr seinem Vater gebracht hatte, nur eine Fremde gewesen war.

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