Timothy – Ähnlichkeiten

„Sie werden nun gezielt Ausschau nach dir halten“, murmelte ich, als ich Timmy endlich am Rande des Dorfes fand, „Und ich weiß nicht, ob … sie dich vielleicht sogar für verhext halten werden.“

Mein Blick schweifte über die Umgebung. Der Junge hatte sich auf eine Wiese zurückgezogen. Dieselbe Wiese, auf der ich mich einst nur kurz hingelegt hatte und plötzlich waren ganze Jahrzehnte vergangen. Hier hatten wir uns das erste Mal getroffen. Hier hatte ich seine Schritte vernommen. Seine grauen Augen das erste Mal erblickt …

Ob er sich daran noch erinnerte?

Nachdenklich betrachtete ich seinen zusammengekauerten Körper. Er sah so klein aus. Kleiner als Julie. Und so viel erschöpfter. All dieses Leid … Warum hatte die Familie immer so zu kämpfen?! Erst Jane. Dann anscheinend diese Marianne und Gretle. Nun Timmy und Julie …

„Bitte sei vorsichtiger. Das hätte auch schief gehen können“, bemerkte ich, als Timmy sich noch immer nicht rührte.

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Timothy – Aufpasser in der Not

Stumm folgte ich Julie durch das kaputte Haus. Ich beobachtete, wie sie die Treppe ausbesserte, wie sie Kleidung flickte, wie sie mit ihren spärlichen Zutaten Abendessen zubereitete …

Sie war eine Kämpferin. Stur schleppte sie sich durch das Haus, um die täglichen Arbeiten zu verrichten. Arbeiten, die viel zu viel für ein so kleines Kind waren.

Ein Kind, das sich allein in diesem Haus glaubte.

Sobald Julie offenbart hatte, dass sie mich nicht mehr sehen konnte, hatte Timmy behauptet, dass ich fort wäre. Das wäre besser, hatte er im Nachhinein zu mir gemeint. Dann würde sie nicht denken, mit ihr wäre etwas falsch. Lieber mit dem Geist, der eh nicht mehr in diese Welt gehöre.

Mit mir.

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Timothy – Siehst du mich nicht?

Es war bereits nach Mitternacht als ich Timmy zu Georges Haus lotste. Ich hatte absichtlich so lange gewartet – bis der Kamin aus war und die Familie tief schlief. Erst danach hatte ich Janes Enkel abgeholt.

„Zieh die Tür beim Öffnen an dich heran, damit sie nicht quietscht“, riet ich, als wir uns durch den hinteren Garten geschlichen hatten.

„Sicher, dass nicht abgeschlossen ist?“, hauchte Timmy zurück.

„Ja doch! Ich bin immer wieder durch die Frau durch, wenn sie hierher wollte. Die anderen haben sich nicht um die Hintertür gekümmert“, erklärte ich.

Janes Enkel brummte etwas, ehe er eintrat. Er schlich sich wie ein Geist durch die Räume. So, als würde er mein Schicksal teilen. Ob es an unseren Namen lag? Ob sie uns verdammt hatten?

„Weiter, weiter, weiter – mehr nach links, ja“, lenkte ich seine Schritte. Ich schwebte immer etwas durch den Boden, damit ich kein Hindernis übersehen konnte. Ich musste ja aufpassen, dass Timmy sich nicht versehentlich verriet!

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Timothy – Der Plan …

Schwarzer Tod. So hatte Timmy die Krankheit genannt. Sie wäre letztes Jahr auch durchs Dorf gewütet. Damals hatte sie Julie verschont. Nicht jedoch die Kinder, die die Straße runter gewohnt hatten.

Nur eines von den knapp zwanzig hatte überlebt.

„George hatte Medizin von einem Reisenden probiert. Papa hatte sie Balds Augensalbe oder so genannt. Keine Ahnung“, der Timmy wurde immer leiser.

Seine Stimme klang so angespannt …

„Vielleicht hat dieser George nicht alles davon aufgebraucht?“, fragte ich vorsichtig.

„Sicher doch! Und was dann? Hm?!“, er lachte höhnisch, während er seine Schwester an sich presste, „Wenn ich nach der Medizin frage, würde George wissen wollen, warum. Seine Eltern würden den Preis dafür in den Himmel feilschen. Nur, um zu bemerken, dass wir nicht zahlen können, weil wir hier allein leben. Wir würden ins Heim kommen – wenn Julie es überhaupt bis dahin schaffen wird!“

Er weinte. Dieser sonst so sture, schroffe Junge weinte. Er war am Ende seiner Kräfte. Wegen der Schwester, die er über alles liebte. Wegen-

Ein Gesicht schlich sich in meine Gedanken. Ein Mädchen. Nicht Jane. Es war zu mir gerannt, als das Anwesen gebrannt hatte. Sie hatte mich gerufen. Oder irrte ich mich? Wer-

„Es ist zu Ende“, Timmys Flüstern holte mich zurück und erschrocken wies ich die Erinnerung fort.

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Timothy – Anschleichendes Unheil …

Mehrere Tage begleitete ich Timmy auf den Markt und warnte ihn vor unerwünschten Blicken. Dabei schwebte ich stets über ihm. Ich blieb aufmerksam. Ich flüsterte ihm Warnungen zu. Und wenn es zu gefährlich erschien, huschte ich durch die misstrauischen Erwachsenen, um sie erschaudern zu lassen.

Danach waren sie eh mit sich selbst beschäftigt.

Nur schien Timmy mir mit jedem Marktbesuch weniger zu vertrauen. Er hatte nichts an mir auszusetzen. Zumindest nichts, was er mir ins Gesicht sagte. Aber er wurde schroffer. Schroffer und aggressiver.

„Habe ich etwas falsch gemacht?“, fragte ich, als wir auf dem Rückweg waren. Ich hatte schon vorher mit dem Gedanken gespielt, etwas zu sagen, aber da waren immer so viele Leute oder Julie zugegen gewesen. Und das erschien mir nicht richtig …

„Jetzt nicht“, murrte Timmy zurück.

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