KG: Timothy – Angekommen …

In der Hafenstadt lebten die Menschen nur für sich selbst.

Erleichtert und ängstlich zugleich beobachtete ich, wie sich niemand nach Timmy oder Julie umsah. So konnten die beiden ihre erste Nacht ungehindert auf offener Straße verbringen. Bis zur zweiten hatte Timmy bereits eine Mulde weiter Stadtauswärts ausgemacht, in der er ihren neuen Unterschlupf bauen wollte. Nur vorübergehend, behauptete er vor Julie. Damit sie erstmal vor Wind und Wetter geschützt wären.

Seine Schwester hätte an dem Tag allem lächelnd zugestimmt.

Das Mädchen war vom Meer wie verzaubert. Sie wollte diesen Ort nie wieder verlassen! Überglücklich fragte sie Timmy, wann wohl Mutter und Gretle kämen. Sie wolle diese Aussicht, dieses Paradies mit allen teilen!

Weiterlesen

Timothy – Zum Meer

Wir brachen im Schutz der Dunkelheit auf. So gedachten wir, keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Timmy trug die wenigen Vorräte und ein Messer bei sich, Julie zwei Decken sowie ihr Familienfoto. Mehr konnten die beiden Kinder nicht tragen. Nicht, solange sie zügig voran kommen wollten. Und nicht, solange ich keinen Körper besaß.

Still schwebte ich um die Geschwister herum, um Ausschau zu halten. Ich musste zusehen, dass ich sie ungesehen aus dem Dorf bekam. Sobald ich jemanden bemerkte, gab ich Timmy Bescheid, der seine Schwester dann eilig versteckte. So schlichen wir uns stumm zur nächsten Handelsstraße.

Nun mussten wir besonders vorsichtig sein.

„Bist du dir sicher, dass wir hier lang müssen?“, flüsterte Julie, als der morgendliche Nebel die Welt verschluckte.

Timmy sah sich nach mir um. Ich konnte die Sorge in seinem Blick erkennen. Immer wieder schwebte ich voraus, um alles auszukundschaften. Ich wusste, wie die Straße aussah, wo sich die Schlaglöcher befanden und wo die vergessenen Pferdeäpfel lagen.

Doch Janes Enkelkinder waren in diesem Nebel fast blind.

Weiterlesen

Timothy – Ähnlichkeiten

„Sie werden nun gezielt Ausschau nach dir halten“, murmelte ich, als ich Timmy endlich am Rande des Dorfes fand, „Und ich weiß nicht, ob … sie dich vielleicht sogar für verhext halten werden.“

Mein Blick schweifte über die Umgebung. Der Junge hatte sich auf eine Wiese zurückgezogen. Dieselbe Wiese, auf der ich mich einst nur kurz hingelegt hatte und plötzlich waren ganze Jahrzehnte vergangen. Hier hatten wir uns das erste Mal getroffen. Hier hatte ich seine Schritte vernommen. Seine grauen Augen das erste Mal erblickt …

Ob er sich daran noch erinnerte?

Nachdenklich betrachtete ich seinen zusammengekauerten Körper. Er sah so klein aus. Kleiner als Julie. Und so viel erschöpfter. All dieses Leid … Warum hatte die Familie immer so zu kämpfen?! Erst Jane. Dann anscheinend diese Marianne und Gretle. Nun Timmy und Julie …

„Bitte sei vorsichtiger. Das hätte auch schief gehen können“, bemerkte ich, als Timmy sich noch immer nicht rührte.

Weiterlesen

Timothy – Aufpasser in der Not

Stumm folgte ich Julie durch das kaputte Haus. Ich beobachtete, wie sie die Treppe ausbesserte, wie sie Kleidung flickte, wie sie mit ihren spärlichen Zutaten Abendessen zubereitete …

Sie war eine Kämpferin. Stur schleppte sie sich durch das Haus, um die täglichen Arbeiten zu verrichten. Arbeiten, die viel zu viel für ein so kleines Kind waren.

Ein Kind, das sich allein in diesem Haus glaubte.

Sobald Julie offenbart hatte, dass sie mich nicht mehr sehen konnte, hatte Timmy behauptet, dass ich fort wäre. Das wäre besser, hatte er im Nachhinein zu mir gemeint. Dann würde sie nicht denken, mit ihr wäre etwas falsch. Lieber mit dem Geist, der eh nicht mehr in diese Welt gehöre.

Mit mir.

Weiterlesen

Timothy – Siehst du mich nicht?

Es war bereits nach Mitternacht als ich Timmy zu Georges Haus lotste. Ich hatte absichtlich so lange gewartet – bis der Kamin aus war und die Familie tief schlief. Erst danach hatte ich Janes Enkel abgeholt.

„Zieh die Tür beim Öffnen an dich heran, damit sie nicht quietscht“, riet ich, als wir uns durch den hinteren Garten geschlichen hatten.

„Sicher, dass nicht abgeschlossen ist?“, hauchte Timmy zurück.

„Ja doch! Ich bin immer wieder durch die Frau durch, wenn sie hierher wollte. Die anderen haben sich nicht um die Hintertür gekümmert“, erklärte ich.

Janes Enkel brummte etwas, ehe er eintrat. Er schlich sich wie ein Geist durch die Räume. So, als würde er mein Schicksal teilen. Ob es an unseren Namen lag? Ob sie uns verdammt hatten?

„Weiter, weiter, weiter – mehr nach links, ja“, lenkte ich seine Schritte. Ich schwebte immer etwas durch den Boden, damit ich kein Hindernis übersehen konnte. Ich musste ja aufpassen, dass Timmy sich nicht versehentlich verriet!

Weiterlesen