Fujis Sonne

Als die Sonne endlich wieder aufging, hatte sie ihn natürlich erneut vergessen.

Die kleine Wolke war überrascht, wie sehr es sie verletzte. Dabei hatte er es doch gewusst. Er hatte gewusst, dass die Sonne als kindlicher Feuerball geboren werden würde. Er hatte gewusst, dass sie ein frisches Leben beginnen würde. Er hatte gewusst, dass auch dieses ein kurzlebiges Leben sein würde.

Trotzdem tat es so weh.

Die Sterne hatten das Dasein der Sonne als Fluch betitelt. Aber konnte ein Fluch so grausame Auswirkungen haben? So wie die Dinge lagen, war die Sonne jeden Tag nur ein Schatten ihres gestrigen Selbst. Sie war nie komplett. Nie erinnerte sie sich. Nie konnte sie Freundschaften schließen. Und nie konnte sie aus ihrer Vergangenheit lernen.

Sprach deswegen niemand ihr?

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Fujis Auferstehung

Manche Erinnerungen verblassen über Nacht – wie ein flüchtiger Traum, der sich in der Tür geirrt hatte. Andere vergehen mit der Zeit – wie ein Baum, der seine Äste schläfrig gen Himmel reckt. Am Ende sind sie alle nur wirre Schatten, die zwischen unendlich vielen Gedanken umherschwirren. Befangen flattern sie durch den Geist. Nehmen unklare Formen an. Erkennen das Déjà-vu. Lassen es im Winde vergehen. Schweben in Nostalgie, die sie nicht verstehen …

Das Leben ist zu kurz für eine solche Gedankenflut.

Die Wassertropfen schoben sich näher zusammen. Unruhig flogen sie durch die Atmosphäre – verzerrt von Wind und Wetter. Die kleine Wolke hatte sich erst vor Kurzem gebildet und wäre seitdem schon mehrere Male beinahe von größeren verschluckt worden! Unwillkürlich traf sie stattdessen auf eine kleinere und verschmolz mit dieser.

Es krachte.

Gewaltig ragte eine finstere Wolke neben ihr auf und strich wortlos an ihr vorbei. Zwischen ihnen prickelte die Luft. Die Atmosphäre versuchte, Nieser aus ihnen zu kitzeln. Der Wind juckte. Die Sonne versteckte sich hinter einem Schleier von grauen, dunklen Massen.

Das Bild von einem freudigen Feuerball schoss durch den Kopf der kleinen Wolke.

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