Minki und der tropfende Wasserhahn

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Minkis Ohren folgten unruhig dem Poltern. Erst kam es von links. Dann von rechts. Nun wieder von links.

Müde öffnete er ein Auge und beobachtete, wie sein Retter durch den Flur hetzte.

Huh. Das war neu. Sonst war er viel besonnener und vor allem leiser! Aber es schien auch reichlich spät zu sein. Später als sonst, wenn sein Zweibeiner die Wohnung verließ. Hatte es damit zu tun?

Der Kater schloss das Auge wieder und dachte an seinen Traum zurück. Es war ein schöner gewesen. Eine riesige Futterschale war darin vorgekommen. Und ein entspannendes Sonnenbad, das er ohne-

Polter!

Erschrocken sprang der Kater auf und krallte sich im Sofa fest. Doch war es nur sein Retter. Dieser schien gegen den Hocker im Flur gelaufen zu sein. Fluchend hüpfte der Felllose durch den Flur. Direkt an der Stubentür vorbei. Zu seinen Schuhen, die unter der Garderobe warteten.

Minki beobachtete ungeduldig, wie sein ungelenker Retter hineinschlüpfte und endlich verschwand. Na endlich! Dieser Lärm hatte sich auch lang genug hingezogen!

Genervt rollte sich der Kater auf der Sofalehne zusammen. Er leckte sich ein paar Mal über den Rücken. Eine reine Beruhigungstaktik. So tief, wie ihm der Schrecken noch in den Knochen sa-

Platsch.

Seine Ohren zuckten zum Flur.

Was war das? Hatte er gerade wirklich etwas gehört? Oder hatte er es sich nur eingebildet? Nein. Das konnte nichts sein. Das war albern! Die anderen beiden Zweibeiner schliefen ja noch. Er musste sich das Geräusch nur einge-

Platsch.

Minki riss den Kopf herum.

Er lauschte. Angespannt. Diesmal war er sich sicher: Das Geräusch war echt. Und es kam aus seiner Wohnung! Es kam aus-

Platsch.

Der Kater sprang ruckartig auf. Eilig huschte er in den Flur. Er versteckte sich unter dem teuflischen Hocker. Schnupperte testweise die Luft. Bemerkte nichts Ungewöhnliches, das-

Platsch.

Ja. Es kam aus dieser Wohnung! Langsam schob sich Minki voran. Bis zu den nächsten Türen. Links schlief eine Zweibeinerin. Rechts war das Badezimmer. Hier machten sich die Felllosen immer fertig, ehe es raus-

Platsch!

Da!

Unschlüssig begutachtete er die Badezimmertür.

Ab hier wurde es gefährlich. Wenn man nicht aufpasste, konnte man schnell eine Duschladung abbekommen. Dann würde das ganze Fell triefen! Man müsste sich putzen und-

Platsch!

Vorsichtig spähte Minki in die Dunkelheit. Er lauschte. Schnupperte die Luft.

Alles wie immer.

Platsch!

Wäre da nicht dieses Geräusch …

Unschlüssig legte der Kater den Kopf schief. Sollte er reingehen? Oder lieber draußen bleiben? Aber ein Teil von ihm wollte diesem Geräusch unbedingt auf die Schliche kommen! Er wollte wissen, was das war! Er wollte-

Platsch!

Der Kater sah ein letztes Mal den Flur entlang, ehe er langsam eine Pfote ins Zimmer schob. Er tastete sich sachte voran. Bis zu dieser großen Porzellanschale, auf die sich die Zweibeiner sonst setzten. Dort sprang er behände hinauf, um sich einen besseren Überblick zu verschaffen und-

Platsch!

Wasser tropfte aus dem silbernen Stock. Zielsicher fiel es in eines der kleinen Löcher des Beckens. Viel zu laut knallte es dort gegen irgendein Hindernis. Vielleicht lag es am Echo. Vielleicht an dem Loch. Der Kater hatte keine Ahnung. Es war ja nur ein Wassertropfen, oder?

Fasziniert starrte Minki auf den silbernen Stock, an dem der nächste größer wurde, ehe er hinunter ins Loch fiel. Er könnte es den ganzen Tag beobachten! Nur dieses ständige Platschen nervte ein wenig …

Den nächsten Tropfen fing er mit seiner Pfote auf und leckte ihn unbedacht ab.

Das Wasser schmeckte himmlisch! Wenn er das nur öfter naschen könnt-

Aber er konnte doch.

Zufrieden aalte sich der Kater in das Porzellanbecken und parkte seine Schnauze direkt unter den silbernen Stock.

Warum sollte er auch diese edlen Tropfen verschwenden?

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