Fujis zerbrochenes Versprechen

Die Wolke starrte zu der Mond-Sabine hinauf. Etwas in ihm schmerzte. Es pochte. Bebte.

Verletzt zog er sich zusammen.

„Ich … Ich kann doch nicht … Sabine … Sie-“

„Sabine wird alle umbringen, wenn du weiterhin Zeit mit ihr verbringst. Lass es bitte sein.“

Hastig wich Fuji zurück.

Zurück von der bekannten Stimme, die doch nicht von seiner Sonne erklang!

„Nein! Du … Das ist ein Trick! Ja! Genau! Die Sterne haben dich geschickt, oder? Die Sterne …“, er starrte an der Mond-Sabine vorbei zu seinen einstigen Freunden, „Gebt es zu! Er gesteht der echten Sabine doch bloß kein Glück ein. Genau! Das ist es! Ihr- Ihr …“

Jedoch schwiegen die Sterne. Ihre Blicke huschten ängstlich zu der Mond-Sabine herüber. Dann wieder zu ihm. Es wirkte eigenartig. Als … Als würden sie sich vor diesem kalten Gestein fürchten!

Nein. Das konnte nicht sein. Sie konnten diese falsche Sabine nicht dazu angestiftet haben, wenn sie sich ja kaum hervor trauten!

„Ich würde nie einen Ratschlag der Sterne annehmen. Dafür kenne ich sie zu gut. Denn: So freundlich sie auch erscheinen, so sehr wird man auch getäuscht.“

Fuji schluckte.

„Dann … kommt die Bitte wirklich von dir …“

Das war beinahe zu viel für die Wolke. Worum er da gebeten wurde …

Sein Innerstes schmerzte erneut.

„Zum Schutze aller darf deine Sabine ihre Erinnerungen nicht behalten. Ich muss sie aufnehmen. Wir alle müssen diese Welt beschützen. Aber das können wir nicht, solange du sie hierher lockst.

Sonst wird diese Welt nicht mehr lange existieren …“

Fuji blickte auf den Erdboden herab. Ein lächerlicher Versuch, der anderen aus den Augen zu gehen. Nicht weiter aufzufallen, wenn er doch …

Wenn er doch sein Versprechen einhalten musste.

„Ich hatte versprochen … Ich wollte unbedingt … Ich …“

„Du wolltest ihr und auch mir helfen, ja“, lenkte Mond-Sabine ein und etwas kalkulierendes schlich sich in ihre Stimme, „Aber wolltest du um unserer Willen helfen? Oder um deiner?“

„Ich bin nicht derjenige, der alles vergisst!“, empört bäumte sich die Wolke auf.

„Ja. Du magst nichts vergessen. Aber das bedeutet nicht, dass kein Eigennutz im Spiel ist. Vielleicht willst du ja nur helfen, damit du dich am Ende selbst besser fühlen kannst? Oder um dich vor den Sternen als großer Retter aufzuspielen? Wie viel bedeutet dir unser Leiden wirklich? Und wie viel das, der Erde?“

Verdattert schüttelte Fuji sich.

Was sollte das? Wie konnte sie so etwas nur sagen?! Sie meinte doch, dass sie die Erinnerungen der echten Sabine verwahrte! Also sollte sie wissen, dass-

Dass-

Dass …

„Ich habe es euch zu liebe versprochen, obwohl ich damals noch nichts von dir wusste. Ich … Es geht mir nicht um mich …“

„Und was ist mit den anderen auf der Erde? Wie viel bedeutet dir ihr leiden?“

Unsicher blickte die Wolke zum Horizont. Sie konnte das Meer von hieraus ausmachen. Irgendetwas schwamm darauf. Ein großer Fisch? Hatte dieser Schmerzen? Und wenn ja, würden sie ihn besorgen? Oder würde er ihn ignorieren?

„Fuji … Es ist mir einerlei, welche Motivation dich antreibt. Allerdings musst du sie aufgeben, hörst du? Für all das Leben auf deinem Planeten – lass von meinem Spiegelbild ab.“

Damit war das Gespräch für die Mond-Sabine beendet. Selig schloss sie die Augen und verwandelte sich in den kalten Stein zurück, den die Wolke seit jeher kannte.

Und mit ihrem Schweigen zerbrach die letzte Hoffnung, an die Fuji sich noch zur Einhaltung seines Versprechens geklammert hatte.

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