Minki und die neue Wohnung

(Nach sehr vielen wahren Geschichten.)

Der neue Ort war … kleiner. Die Fenster wirkten tiefer. Es gab keine Dachterrasse. Er konnte nicht mehr so schön im Kreis rennen. Die wenigen Dinge, die die Zweibeiner mitgenommen hatten, standen alle woanders. Andere Felllose liefen hier überall herum. Sie sprachen durcheinander. Irgendetwas brüllte. Dann schwieg es. Dann-

Die Wohnung fühlte sich so falsch an!

Minki mochte sie nicht.

Mauzend präsentierte er seinem Retter den provisorischen Korb, in dem er hierher gebracht wurde. Er zerrte ihn hinter sich her. Jaulte. Zog wieder daran. Mauzte kläglich. Schüttelte sich. Mauzte kläglicher.

Sein Retter schüttelte jedoch nur den Kopf. Er entgegnete etwas in dieser ruhigen, wohligen Stimme – ohne dabei von dem eckigen Baum abzulassen, an dem er schon seit Stunden rumhantierte!

Es war einer der eckigen Bäume, die viel zu klein hier wirkten! Ganz zu schweigen davon, dass die ganz großen weg waren, auf die der Kater am liebsten geklettert war! Außerdem fehlten die tickenden eckigen Bäume. In der alten Wohnung hatte Minki sie kaum wahrgenommen. Aber nun? Wo sie erstmal weg waren?

Er misste ihre ruhige Hintergrundmusik, die ihn in den Schlaf gewogen hatte.

Trostlos ließ er sich auf seinem neuen Nachtlager fallen. Die Frau seines Retters hatte ihm eine Decke hier hingelegt. Ein Stückchen weiter stand sein Fressen und etwas Wasser. Sein Katzenklo war ans andere Ende der Wohnung geschoben worden und sein-

Plötzlich erklang ein tiefes Dröhnen.

Erschrocken kauerte sich der Kater zusammen und legte die Ohren an. Er wusste nicht, wie oft ihn dieses Knurren bereits geplagt hatte. Oder wie oft es ihn noch peinigen würde! Es hatte am Morgen über eine Ewigkeit durch diese neue Wohnung geheult. Unaufhaltsam hatte es ihn zermalmt. Es hatte ihn zusammengedrückt. Zerdrückt. Malträtiert!

Vorhin hatte er dann bemerkt, dass dieses Dröhnen immer erklang, wenn einer der Zweibeiner seine Gummischnur in die Wand steckte. Es war irgendein fremder Zweibeiner. Ein großer. Jüngerer. Er rückte auch die Kartons und eckigen Bäume umher und-

BRUMMMMMM!

Minki machte sich noch kleiner. Das Geräusch war lauter geworden. Es bebte. Es ließ seinen Körper erzittern. Es-

Es stoppte wieder.

Erleichtert atmete der Kater auf. Er brauchte einen Moment, um sich zu sammeln. Für einen Augenblick zählte er schon ein Leben weniger. Dann kickten seine Überlebensinstinkte ein.

Ruckartig sprintete Minki in die gegenüberliegende Ecke des Zimmers und verkroch sich hinter ein paar Kartons. Es war eigentlich nur eine schmale Lücke, doch er schob sich dennoch dort hinein. Er musste!

Es ging um Leben und Tod.

Erschöpft dachte der Kater an ihre alte Wohnung zurück. Er wollte dahin zurück. Er wollte zurück nach Hause! Er wollte zurück zu seinem perfekten Versteck. Er wollte auf seine Dachterrasse. Er wollte so sehr zurück, dass er sogar die nervige Zweibeinerin akzeptieren würde!

Hauptsache er kam hier weg.

Es raschelte und plötzlich sah sein Retter über die Kartons. Beruhigend sagte er irgendetwas Unverständliches. Er sprach und sprach und sprach immer weiter auf ihn ein.

Dann streichelte er den verängstigten Kater.

Und obwohl Minki kein Wort verstanden hatte, schmiegte er sich dankbar in seine Hand.

Wenigstens hatte er seinen Retter.

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