Minki und Kitty II

(Nach sehr vielen wahren Geschichten)

Drei Tage musste er diese Kitty nun schon ertragen. Drei. Tage. Und dabei war doch jede einzelne Minute mit ihr bereits eine eigene Hölle!

Vorsichtig blickte Minki an einem eckigen Baum vorbei. Er hatte gehört, wie die Zweibeinerin sie zum Abendessen gerufen hatte. Und wahrlich! Da stand die Felllose mit seinem Napf-

-und einem weiteren.

Also würde sie wieder einmal zum Essen bleiben? Warum? Womit hatte er das verdient? Was hatte er getan, dass es diese Kreatur in seinen heiligen Hallen rechtfertigte? Das hier war sein Revier!

Resigniert zog der Kater den Kopf ein, als sie hinübersah. Er betete, dass sie ihn nicht erblickt hatte. Weder sie noch die Frau seines Retters. Sie durften seine Feigheit nicht erahnen. Das würde ihm sonst nur Probleme verursachen. Vielleicht würde diese Kitty dann sogar noch länger bleiben? Nein. Viel eher sollten sie denken-

Sie sollten denken, dass er sein Essen nicht mit niedrigen Wesen einnehmen würde. Genau! Sie mussten falsche Schlüsse ziehen. Immerhin war er doch das gefürchtete Raubtier dieser Familie. Keiner könnte – keiner würde ihn gar ängstigen. Dazu waren sie außerstande!

Diese Kitty mauzte. Minkis Nackenhaare stellten sich hoch. Sein Schwanz puffte sich auf. Seine Ohren klebten sich an sein Köpfchen.

Wollte diese fremde Katze ihn einschüchtern? Oder wollte sie ihn nur zum Spaß verraten? Wollte sie ihm Probleme machen? Glaubte sie, dass dies eine kluge Entscheidung wäre? Dass er sie dafür nicht in Stücke –

Ein Surren schnitt durch die Zimmer. Es kam von der Wohnungstür. Ein unangenehmes Geräusch, das der Kater von Anfang an nicht mochte. Es ging ihm gegen den Strich. Er hoffte nur, dass diese oder einer der anderen Zweibeiner sich zeitnah um den Lärm kümmern würde, damit dieses nervige Rattern nicht noch einmal erklang!

Und wahrlich! Nachdem die Zweibeinerin die Näpfe abgestellt hatte, lief sie bereits zur Haustür. Sie rief irgendetwas in ihrer seltsamen Zunge. Beachtete Minki keines Blickes. Hatte nur Augen für ihr Ziel. Keine für ihren Familienkater, den sie so bereitwillig gegen diese Kitty eingetauscht hatte!

Plötzlich mauzte es über dem Kater und erschrocken blickte er in Kittys grinsende Miene. Irgendwie war sie wieder einmal lautlos auf einen eckigen Baum geklettert. Ihr Blick forderte ihn höhnisch heraus und Minki brauchte seinen gesamten Mut, um nicht wegzulaufen.

Stattdessen fauchte er. Laut. Spuckend. Gebückt.

Wenn sie sich raufen würden, hätte diese Kitty vielleicht die bessere Agilität, er jedoch besaß mehr Muskeln. Er wohnte hier. Er war-

Mauzend aalte sie sich auf dem eckigen Baum.

Wollte sie ihn herausfordern? Oder wusste sie, dass er nur vorgab, sie auf jeden Fall vertreiben zu können? Warum blieb sie so still? Was hatte all das zu bedeuten?

Ein Lachen verirrte sich in seine Ohren. Überrascht sah er sich um. Genauso wie Kitty, die plötzlich angespannt wirkte. Eilig sprang sie von dem eckigen Baum herab. Sie hastete durch den Flur, auf der Suche nach der Quelle des Lärms. Auf der Suche nach-

-nach ihrer Zweibeinerin, erkannte Minki reumütig. Erst nun wurde ihm bewusst, dass sie die ganzen letzten Tage von ihrer Zweibeinerin getrennt gewesen war. Sie war allein gewesen. Bei seinen Nichtsnutzen von Felllosen. Ohne etwas Vertrautes ihr eigen nennen zu können!

Schuldig trabte er dem Kätzchen hinterher. Er beobachtete sie. Wie sie dort lag und sich schnurrend von ihrer Zweibeinerin kraulen ließ. Sie schien jeden Augenblick zu genießen. Schien jede Bewegung der Fellosen vorherzusehen. Schien diese nimmer missen zu wollen.

Der Kater fragte sich geradezu, ob er bei irgendwem jemals so reagieren könnte. Bei seinem Retter vielleicht. Aber ansonsten?

Ob diese Zweibeinerin Kitty gerettet haben mochte? Und dann hatte sie ihr Kätzchen Minki für mehrere Tage angedreht? Das konnte doch nicht akzeptabel sein! Warum hatte sie sich aus dem Staub gemacht?!

Minki spürte, wie sich sein Fell wieder zurückgelegt hatte. Er leckte seinen Schwanz, um auch die letzten widerspenstigen Haare zu dirigieren. Dann setzte er sich gerade auf und stolzierte – so gut es ihm möglich war – zu Kitty hinüber. Er beschnupperte ihr Köpfchen. Schluckte seinen Missmut hinunter. Schmierte mit ihrem Schopf.

Für einen Augenblick war das Kätzchen erstarrt.

Dann schnurrte sie fünfmal lauter als zuvor und gab die Liebkosung zurück.

Warum hatte er sich nicht gleich mit ihr angefreundet?

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