Minki und die irre Zweibeinerin

(Nach sehr vielen wahren Geschichten)

Vorsichtig blickte Minki nach links. Und nach rechts. Noch einmal nach links. Und um ganz sicherzugehen, lieber ein weiteres Mal nach rechts.

Erst danach hastete er durch den Flur ins nächste Zimmer. Direkt unters Bett.

Geschafft! Wieder einmal hatte er sich seinem Fressnapf erfolgreich um einen Raum genähert, ohne dabei in die felllosen Hände zu rennen.

Seitdem die Zweibeiner seine Tücke mit den eckigen Bäumen erkannt hatten, hatte sich das Blatt für den Kater gewendet. Plötzlich war die Frau seines Retters so viel aufmerksamer. Sein Retter selber schien viel zu viel zu arbeiten. Und deren Tochter?

Minki robbte etwas tiefer unters Bett, als er ihre Schritte vernahm. Zügig klangen sie durch den Flur. Liefen in das Gästezimmer. In den Raum, in dem er sich bis eben noch versteckt hatte.

Er wusste was diese irre Zweibeinerin wollte. Oder… Er glaubte es zumindest zu wissen. Beim letzten Mal hatte sie ihn durch die gesamte Wohnung gejagt. Fangen, hatte sie es genannt. Ein nerviges Spiel, bei dem sie jedes Mal die Regeln abänderte, um ihn um seinen Atem zu bringen!

Und Minki würde weder dieses Spiel noch sonst irgendwelche ihrer albernen Ideen dulden. Nein! Er würde sich durchsetzen! Er würde sich nicht aufhalten lassen! Und er würde endlich sein Frühstück einfordern!

Der Kater lauschte ihrer rufenden Stimme. Schielte zum nächsten Zimmer. Peitschte mit dem Schwanz. Beobachtete den Spalt vom Flur, den er sehen konnte.

Und sprintete darauf los.

Seit dem letzten Abendbrot hatte er sich nicht mehr in die Nähe seines Napfes getraut. Das musste nun ein Ende finden! Mittlerweile hatte er immerhin einen solchen Hunger bekommen, dass selbst die Spinnen im Badezimmer appetitlich aussahen.

Er brauchte etwas zwischen den Zähnen.

Etwas Richtiges.

Die Achtbeiner hatten nicht gemundet.

Das Wasser lief Minki im Mund zusammen, noch ehe er die Küche erreichte. Sofort war er an seinem Fressnapf. Er schlang seine Portion gierig herunter. Fraß so unsauber, wie schon lange nicht mehr. Kümmerte sich nicht darum. Das Einzige, was zählte, war-

Erschrocken mauzte er auf, als ihn die irre Zweibeinerin auflas. Ihre Hände packten ihn so fest, dass er sich unmöglich dagegen wehren konnte. Dass er unmöglich nach ihr ausholen konnte!

Lachend begann sie, etwas zu erzählen. Worte, die in Minkis Ohren keinen Sinn ergaben. Die er kaum zu verstehen wusste. Die wie irre Zugeständnisse klangen. Deren Betonung ihn beunruhigte.

Und dann waren sie auch schon in ihrem Zimmer.

Minki mauzte verzweifelt die Tür an, die die Zweibeinerin hinter ihnen schloss. Sie hatte also dazu gelernt. Beim letzten Mal hatte sie das Ding offen gelassen und er hatte ihr frühzeitig entkommen können. Allerdings hatte sie dann auch dieses Fangen mit ihm spielen wollen und-

Die Erdanziehungskraft machte sich an dem Kater bemerkbar und überrascht drehte er sich in der Luft so um, dass er mit allen vier Pfoten auf ihrem Bett landete.

Empört jaulte er sie an.

Sie nahm ihn wieder hoch. Drehte ihn auf den Rücken. Ließ ihn fallen.

Und er landete noch einmal auf den Pfoten.

Ehe er reagieren konnte, wiederholte sich das Spiel. Immer und immer wieder. Mittlerweile realisierte Minki, dass er immer tiefer fallen gelassen wurde. Panik stieg in ihm auf. Er wollte das nicht. Er wollte nicht ihrer Belustigung dienen. Er wollte ihren doofen Rachefeldzug nicht!

In seinem Magen drehte sich alles. In seinem Kopf drehte sich noch mehr! Oben und unten schienen miteinander zu verschmelzen. Schienen den Horizont zu umweben. Die gerade Linie in einen Strudel zu verwandeln-

Und dann hatte er plötzlich keinen Platz mehr, um sich in der Luft zu drehen.

Ängstlich schossen seine Krallen aus den Pfoten. Sie bohrten sich in die Arme der irren Zweibeinerin. Ließen erschrocken ab. Stießen sich fort.

Eilig machte er sich an der Klinke zu schaffen. Er hörte eine wütende Stimme hinter sich. Giftig klang sie in seinen Ohren wider. Verfolgte ihn.

Ängstlich verkroch sich in seinem perfekten Versteck.

Das war zu viel des Guten! Er würde erstmal hierbleiben. Genau! Solange die irre Zweibeinerin noch nach ihm Ausschau hielt, würde er sich hier verkriechen. Und wenn er Jahrzehnte hier hocken müsste!

Oder zumindest für ein paar Stunden. Immerhin müsste bald sein Retter wieder daheim sein und in der Küche wartete immer noch Essen auf ihn.

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